Steer-by-Wire: Mercedes EQS lenkt jetzt elektronisch

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
  1. home
  2. Aktuell

Wenn eine halbe Lenkradumdrehung reicht: Mercedes-Benz bietet die neue EQS Limousine mit Steer-by-Wire-Lenkung an. Das System kommt ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern aus und arbeitet mit der Hinterachslenkung zusammen. In Österreich kostet die Sonderausstattung 3.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Überblick

Steer-by-Wire

Keine mechanische Verbindung: Beim Steer-by-Wire-System des EQS werden Lenkbefehle ausschließlich elektrisch übertragen; von Anschlag zu Anschlag reichen 170 Grad Lenkradwinkel.
3.000 Euro Aufpreis in Österreich: Die Sonderausstattung umfasst auch eine Hinterachslenkung mit bis zu zehn Grad Lenkwinkel und ein neues, flacheres Lenkrad.
Umfassend überarbeiteter EQS: Zur neuen Technik zählen außerdem 800-Volt-Architektur, größere Batterien, neue Antriebseinheiten, Zweiganggetriebe und MB.OS.

Lenksignale werden elektrisch übertragen

Mercedes-Benz führt in der neuen EQS Limousine eine Steer-by-Wire-Lenkung ein. Nach Angaben des Herstellers ist Mercedes damit der erste deutsche Autohersteller, der die Technik in einem Serien-Pkw anbietet. Das System ist weltweit in allen Märkten bestellbar, in denen der EQS angeboten wird. Anders als bei einer konventionellen Lenkung besteht keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern. Die Lenkbefehle werden über elektrische Signale übertragen. Bestandteil der in Österreich 2.500 Euro netto beziehungsweise 3.000 Euro brutto teuren Sonderausstattung sind außerdem eine Hinterachslenkung mit bis zu zehn Grad Lenkwinkel und ein neu gestaltetes, flacheres Lenkrad mit angepasster Airbag-Struktur. Das kompaktere Lenkrad soll den Blick auf das Fahrerdisplay verbessern sowie mehr Bewegungsfreiheit beim Ein- und Aussteigen schaffen. Es ist in Schwarz sowie abhängig von der Ausstattung auch in Beige erhältlich. Für die eigentliche Lenkbewegung genügen von Anschlag zu Anschlag 170 Grad, also weniger als eine halbe Lenkradumdrehung. Umgreifen ist damit nicht erforderlich.

Variable Lenkübersetzung soll Rangieren und Fahrdynamik verbessern

Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten reduziert Steer-by-Wire den erforderlichen Lenkradwinkel. Das soll Rangier- und Parkmanöver erleichtern und ermöglicht zudem eine Verringerung der notwendigen Lenkkräfte. Gleichzeitig kann das System die Lenkcharakteristik abhängig von der Fahrsituation anpassen. Mercedes verspricht sich davon neben mehr Komfort auch Vorteile bei Fahrstabilität und Queragilität. Die Steer-by-Wire-Lenkung arbeitet dazu mit der Hinterachslenkung zusammen. Weil keine mechanische Lenksäule die Vorderräder mit dem Lenkrad verbindet, lassen sich zudem durch Fahrbahnunebenheiten ausgelöste Vibrationen vom Lenkrad fernhalten. Für die funktionale Sicherheit setzt Mercedes auf hochpräzise Sensoren, leistungsfähige Steuergeräte sowie eine redundante Architektur mit voneinander unabhängigen Signalpfaden. Die Lenkfähigkeit soll dadurch auch bei einem Fehler im System erhalten bleiben. Für den laut Hersteller sehr unwahrscheinlichen Fall eines vollständigen Systemausfalls können die Hinterachslenkung und gezielte radindividuelle Bremseingriffe des ESP die Querführung des Fahrzeugs unterstützen.

Neuer EQS mit 800-Volt-Technik, größeren Batterien und MB.OS

Steer-by-Wire gehört zu einer umfangreicheren technischen Überarbeitung des EQS. Mercedes hat nach eigenen Angaben mehr als ein Viertel der Fahrzeugumfänge erneuert oder überarbeitet. Dazu zählt eine neue Elektroarchitektur mit 800-Volt-Technik. Hinzu kommen von Mercedes entwickelte Antriebseinheiten, ein Zweiganggetriebe am Hauptantrieb der Hinterachse sowie größere Batterien mit optimierter Zellchemie. Eine weitere zentrale Neuerung ist das Mercedes-Benz Operating System, kurz MB.OS. Es vernetzt und steuert unterschiedliche Fahrzeugfunktionen, nutzt KI-Anwendungen und leistungsfähige Rechnerchips und ist mit der Mercedes-Benz Intelligent Cloud verbunden. Softwarefunktionen können per Over-the-Air-Update aktualisiert werden. Mercedes nutzt den EQS damit als erstes Serienmodell der Marke für die Einführung der neuen Steer-by-Wire-Technik.

MercedesElektromobilität

Über die Autoren

autorevue Newsletter

Woche für Woche ein authentisches Stück autorevue