Copy of NothinG – Der neue jaGuar kann vor Mut kaum gehen.
Jaguar Type 01: Neues Logo, radikales Design und 1.030 PS
Jaguar hat ein neues Logo. Es stellt kein Raubtier dar, weder springend noch im Frontalporträt. Es ist ein reiner Schriftzug, Lettering, es beginnt mit einem kleinen j und geht in kullerige Buchstaben über wie in Handschriften von gewissen Mädchen, die einen Kringel als i-Punkt malen. Die würden aber nie ein großes G in der Mitte eines Wortes versenken. jaGuar.
Das kleine j verwendete man auch als Radnabenlogo dieses ungeheuerlichen Fahrzeugentwurfes, der grundsätzlich und im Detail, also in jeder Phase seiner Existenz, ein Symbol ist. Dieses schmucklose j-Häkchen wurde so gedoppelt, dass es zwingend an Yin-Yang-Symbole erinnert. „Jin-Janguar“, wie ein anwesender holländischer Kollege ergänzt.
Vertreter handverlesener Magazine und Medien sind hier im Jaguar Land Rover Center Gaydon versammelt, um endlich das mit Hochspannung erwartete Modell 01 zu sehen. Seit 2018 hat Jaguar kein neues Modell präsentiert, die Verkäufe kamen zum Erliegen. Jaguar-Verantwortliche rund um Managing Director Rawdon Glover hatten erkannt, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann mit der Marke. Die dramatischen Verluste würden weiterhin kulminieren. Ein harter Schnitt musste her. Es gab Kündigungen und Wechsel an der Spitze, der fürs Rebranding verantwortliche Designdirektor Gerry McGovern wurde vom Werksschutz aus dem Büro geführt, er berät jetzt angeblich Norton Motor-cycles. Risse statt Kompromisse. Revolution statt Evolution. Hacke statt Schmirgelpapier. Und bloß kein Retro! Motto: copy of nothing. Das Concept 00 hat uns ja auf einiges vorbereitet.
Und da steht er nun im erhellten Herzen des Jaguar-Gaydon-Werkes, nachdem sich die unvermeidlichen Lichtgewitter und bauchfellerschütternden Klangstakkati gelegt haben. Riesengroß, ungeschlacht, Faust ins Gesicht, Lamellen verschlossen, Luken dicht, aus dem Vollen gegossen. 84 mm schmale Lichtdolche durchschneiden den Kunstnebel mit 20.000 gerichteten LEDs. Ungeheuerlich, fünf Meter zwanzig lang, 23-Zoll-Räder in dramatischen Proportionen zum Wagenkörper, der mit 140 cm kaum doppelt so hoch ist. 2,7 Tonnen Gewicht und ein Radstand wie die Tower Bridge. Das imposante One-Piece-Seitenteil (Dach- und Heckprofil) wurde intern „impossible panel“ getauft, weil es zuvor als unpressbar galt. Anstelle eines Triebwerks wurden in das Bugteil zwei riesige Crash-Absorptions-Kegel eingebaut, die den Impact über die Seite quasi am Passagierraum vorbei nach hinten leiten. Diesen Bereich samt Frunk dürfen wir noch nicht einsehen. Was für eine elendslange Motorhaube für keinen Sechzehnzylinder! Der sogenannte Prestige Gap, also die Distanz von vorderem Radausschnitt zur Seitentüre, beträgt beachtliche 90 cm. 360 Patente sind hier verborgen, 73 Prozent des Autos bestehen aus Aluminium.
Motorleistung? 1030 bhp (Brakehorsepower) aus 3 Motoren im 850-Volt-System. 200 prismatische Zellen. 118 kWh brutto. Paralleles 400-V-Charging, 200 miles in 13 Minuten aus 350 kWh DC. WLTP-Reichweite bis 720 km. Kompatibel für Tesla Supercharger. 1365 Nm Gesamtdrehmoment, 0–100 km/h in 3,2 Sekunden. Keine Angabe zur möglichen Höchstgeschwindigkeit.
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