Der Porsche, der kein Porsche sein durfte
Der 928 brach mit allem, was für Tradition gehalten wurde.

Wie wir schon sagten, die Urversion hatte 240 PS, und das war denn doch zu wenig für einen Porsche, der erhobenen Hauptes neben dem 911 zu stehen hatte. Im August 1979 wurde folgerichtig der 928 S präsentiert: mehr Hubraum (4664 ccm), mehr Leistung (300 PS), bessere Performance: Der 928 brauchte 6,8 Sekunden von Null auf Hundert und ging 230 km/h, der S schaffte die Hundert 0,2 Sekunden früher und ging 250. Das sieht am Papier nicht nach viel aus, dürfte aber emotional einiges gebracht haben, damals, vor 30 Jahren. Gerade die 250 waren bedeutungsvoll, denn, wie die Fachpresse konstatierte: „Die Fahrleistungen spielen sich nunmehr in der wahnwitzigen Liga der schnellsten ­Autos dieser Erde ab.“ Man glaubt es kaum, aber so war es.

Der normale 928 kostete zu diesem Zeitpunkt schon 501.500 Schilling, der S kam auf 656.500 Schilling. Und noch immer fanden die Kenner was zu bemängeln, jetzt halt den Unterschied zum 911 Turbo, an dessen animalische Kraftentfaltung auch der S nie herankommen würde. Zwei Jahre später wurde der normale 928 eingestellt.

1977 Porsche 928 Zeitreise Thomas Langpaul

Der S hingegen durfte sich weiterent­wickeln. 1983 bekam der Motor eine Bosch-LH-Jetronic-Einspritzung, was die Leistung auf 310 PS wachsen ließ. Ein Jahr später konnte man gegen Aufpreis schon ein ABS ordern. 1985 kam der S4 mit vier Ventilen pro Zylinder und Katalysator. Es folgten vor allem Anwendungen im Bereich Luxus, was den 928 noch nachdrücklicher vom 911 trennte, ihn kompromisslos als Gran Turismo festigte.

Nebenher lief das Muskeltraining. 1989 kam der GT mit 330 PS, zwei Jahre später dann der GTS als letzte Ausbaustufe mit 5397 ccm Hubraum und 350 PS. Der ging 275 km/h und war in 5,7 Sekunden von Null auf Hundert. Außerdem, und das vor allem, war er in 2,8 Sekunden wieder ­herunten, und das ohne Mauer. Der GTS war schärfemäßig Lichtjahre vom Ur-928 entfernt, optisch aber hat sich abgesehen von breiteren Radkästen, dem Heckflügel und dem durchgängigen Lichtbalken am Heck nicht allzu viel getan. Die Autorevue stellte 1992 die Frage, „wie lange wir diesen Hintern noch lieben werden“ – und beantwortete sie auch gleich: „2010 ist das der große Heuler. Spekulieren Sie!“

Cover Autorevue 05/2010

Kommentare

  • sportfahrer.at, vor 1 Jahr

    wobei man zur leitungstechnischen Ehrenrettung des 928 sagen muss, dass in dieser Zeit ein 911 SC 3.0 mit gerade Mal 180PS am Papier aus heutiger Sicht auch keine orgastischen Leistungseskalationen versprach…. ;-)

Dein Kommentar

Du musst Dich einloggen um kommentieren zu können.
  1886Die Neuzeit wird aus Zucker karamellisiert, per Arbeiterprotest errungen, in New York errichtet oder aus Unlust am Geschirrabwaschen erfunden. Da passt ein Automobil hervorragend dazu. 1931Die Wirtschaftskrise fordert eine sachlichere Einstellung zum Wohnen, leider auch zur Ernährung. Zunehmen kann da nur der Radikalismus. 1936Das Deutsche Reich bewegt sich auf den Zenit seiner Macht zu. Die anderen ­beschränken sich auf die Rolle des die Schlange beobachtenden Kaninchens. 1938Ein Hauch von Normalität darf noch genossen werden, auch wenn ­Österreich schon von Ständestaat und Faschismus gezeichnet ist. Ein Auto, das den finanziellen Möglich­keiten der Menschen entgegenkommt: Steyr 55 Baby 1940Europa versinkt im von Hitler angezettelten Weltkriegs-Chaos, Amerika erfindet Nylonstrumpf und Burger-Bude, und die Rapidler zeigen den Deutschen, was ein Haken ist. 1947Volvo ferigt endlich in Serie, was als Prototyp schon 1944 vorgefahren ist, und die finale Evolutionsstufe des PV444, der PV544, bleibt sogar bis 1965 im Programm. 1949Vier Jahre nach Kriegsende beginnt die Welt, sich neu aufzustellen. 1951In Österreich wurden Siege mittels Schaumgummi erzielt. 1953Politische Machtwechsel, Nierentische und Wirtschaftswunder verlangen nach neuen Autos, besonders in den USA: Dort will Chevrolet die euro­päischen Sportwagen und den Konkurrenten Ford ausbeschleunigen. 1954Der Krieg ist nun ein kalter, Linke sind in den USA Kriminelle. Friedlich sind immerhin die Burger und die Transistoren. 1955Österreich und die Alliierten unterzeichnen ein Dokument, auf dem Österreichs Identität bis heute beruht, was leider knapp noch niemand im Fernsehen mitverfolgen kann. 1957Ein Teil Europas probiert das innere Zusammenwachsen, Krisen haben jetzt ohnedies ­andere Dimensionen, und Nachrichten bekommen eine eigene Fernsehsendung in Österreich. 1958Raumfahrt, Nukleares... und Österreich kann immerhin Schi fahren. 1959Der Máximo Líder entert die Weltbühne und ein dralles Stück Plastik die Kinderzimmer. 1961Das Plastik-Wesen konnte dennoch nicht ver­hindern, dass 1959 ein paar nicht unwichtige Entwicklungen hervorbringt: die industriell fertigbare Nylonstrumpfhose, das erste vollwertige Luftkissenboot, das im Frühjahr den Ärmelkanal quert, sowie die Einsicht von Papst Johannes XXIII., dass es mit der katholischen Kirche nicht mehr so weitergehen kann wie bisher. Der Pontifex stößt das Zweite Vatikanische Konzil an, [...] 1962Das Jahr, das der Welt eine böse Zuspitzung des Kalten Krieges beschert. 1964Rückblickend lässt sich die Krise durch ihre knappe Dauer von 13 Tagen (Dienstag, 16. Oktober, bis Sonntag, 28. Oktober) verniedlichen, 1962 aber markierte sie einen der Höhepunkte des an Höhepunkten nicht armen Kalten Krieges. Algerien und Frankreich hingegen beenden den etwas einseitig benamsten Algerienkrieg, damit wird Algerien nach 114 Jahren unabhängig. Wie überhaupt der Kolonialismus langsam [...] 1965Kommen und gehen. Die Autorevue kommt pünktlich, daran hat sich bis heute nichts geändert. Sonst aber gab’s Neues, Hochfliegendes, Monumentales und den ersten gelernten Arbeiter als Bundespräsidenten. 1967Höhepunkt der Hippiebewgung – was sich aber nicht ­überall mit Erfolg herumspricht. 1968Die 68er-Bewegung hat ihren Namen wirklich verdient, am eindrucksvollsten in Frankreich. Überhaupt scheint die Welt die Vergangenheit abzuschütteln, allerdings nicht überall. 1969Man sprach von der Revolution der Gesellschaft – und meinte dann doch eher freie Liebe und getunte Zigaretten. Dennoch: Mehr Epochales war selten. 1970 In Österreich beginnt die Ära der Sozialdemokratie. 1971Der Minirock wird irgendwie noch kürzer und anders, während in Österreich eine neue Ära beginnt, auch beim Umweltschutz. 1974Auf einmal war alles anders. Ein paar unlockere Scheichs drehten den Ölhahn zu, und wir mussten lernen, mit Tempolimits, autofreien Tagen und einem possierlichen Tierchen zu leben. Wir rächten uns mit dubiosem Haupthaar und LSD-Tapeten. 1975Die Zeugen Jehovas hatten für 1975 den Weltuntergang vorausgesagt. Stattdessen ging der schlimmste Krieg seit 1945 zu Ende. 1976Kein Handy, kein Internet, die Musik war im Radio, der Feind im Osten, um Mitternacht war das Fernsehen aus, und der Bundeskanzler hieß immer gleich. So einfach wird’s nie wieder sein. 1977Kein Handy, kein Internet, die Musik war im Radio, der Feind im Osten, um Mitternacht war das Fernsehen aus, und der Bundeskanzler hieß immer gleich. So einfach wird’s nie wieder sein. 1978Das Jahr ist in Österreich eher mit Ortsnamen verbunden, die bis heute nachklingen, ­während Rom drei Päpste und England das erste Retortenbaby sieht. 1979Alles wie immer. In einem Land kommen die Bärtigen an die Macht, in einem anderen ­werden sie vertrieben, und die Tschechen beleidigen uns wieder einmal fürchterlich. 1981Konflikte schwappen bis Wien und sind auch sonst zahlreich, und die USA gehen modern in die Luft. 1982Wir wollten nur ein bisschen Frieden, doch US-Präsident Ronald Reagan machte Politik zur Westernshow. Arnold Schwarzenegger grunzte sich durch „Conan der Barbar“, und wir lebten mit Pumphosen hinterm Mond. Es war ein gutes Jahr. 1987Bevor die Mauer fällt, wird viel verhandelt und unterzeichnet – und ein Flieger hilft ein wenig mit, indem er landet, wo niemand landen dürfte. 1989Am großen Rad der Zeit gedreht. Und wir lenkten an den kleinen mit. 1990Statt zwei Deutschland gibt’s plötzlich nur eines, auch sonst verändert sich die Welt hauptsächlich dort, wo bislang Veränderung nicht anzutreffen war. Ähnliches gilt für die Welt der Sportwagen: Japan redet plötzlich mit, und zwar ganz ernsthaft.