Da war der 911, der Inbegriff der Marke, gebaut im immerwährenden Layout: Boxermotor im Heck, luftgekühlt, sechs Zylinder, Karosserie in angequetschter Käferform. Neben dem zu glänzen war die Aufgabe. Der 914 und der 924, letzterer erschien 1975, mussten sie nicht erfüllen, sie waren ein paar Klassen weiter unten verortet. Aber der 928 sah sich als Flaggenträger kalkuliert. In der Hierarchie dem 911 ebenbürtig, mindestens. Als er 1977 erstmals gezeigt wurde, war er, zumindest bei den gusseisernen Porscheanhängern (die heißen so), sofort als Gegner positioniert. Ein Glück, dass man das alles bei Porsche selbst immer viel weniger eng gesehen hat als bei der Anhängerschaft. Sonst gäb’s heute zum Beispiel keinen Cayenne (hat da wer gelacht?).
Auf jeden Fall: Die zurückhaltendste Reaktion, mit der die Porscheleute rechnen mussten, war Verwunderung. Die am wenigsten zurückhaltende: Das ist kein Porsche. Nicht nur die Technik – der Motor vorne, die Transaxle-Anordnung mit dem Getriebe zur besseren Gewichtsverteilung hinten –, auch das Design musste polarisieren. Schlanker Vorderwagen, massives Heck, Klappscheinwerfer, keine sichtbaren Stoßstangen, stattdessen verborgene aus Polyurethan, insgesamt den Puristen zu groß, zu schwer, zu unhandlich. Chefdesigner Anatole Lapine wehrte sich mit dem Argument der Zeitlosigkeit, welcher er sich verpflichtet fühlte, weniger der tagesaktuellen Mode.
Das verwundert zunächst, betrachtet man das Auto. Wenn man dann aber weiß, dass der 928 der äußeren Form nach im Prinzip unverändert bis 1995 (Produktionsende) 61.000 Mal gebaut wurde, hat Lapine offenbar doch recht gehabt.
Cover Autorevue 05/2010

wobei man zur leitungstechnischen Ehrenrettung des 928 sagen muss, dass in dieser Zeit ein 911 SC 3.0 mit gerade Mal 180PS am Papier aus heutiger Sicht auch keine orgastischen Leistungseskalationen versprach…. ;-)