Gut und böse und schlecht
Ein Blick in die Redaktion, in die Charts und die Kinos des Jahres 1971.

1971 Zeitmaschine Käfer Was noch geschahRedaktion: Ein Vergleich


Der treffsichere Vergleichstest ist schon damals Wesenszug der ­Autorevue. Nach VW Käfer gegen Maikäfer liegt diesmal die 600er-Klasse blank: Fiat 600 gegen Mercedes 600. Eine der fundierten ­Erkenntnisse: Beide Motoren gehen gewiss bei Überdrehzahlen ­kaputt. Schon im Februarheft gibt’s eine Story zur Monte Carlo Rallye 1911–1970, die 71er-Monte driftet dann ins Märzheft: drei ­Alpine A110 vorne, Rallyekäfer gescheitert.

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Auch fragen wir uns, ob der Diesel­motor nach der Dieselpreis-Erhöhung (3,20 Schilling/l) noch wirtschaftlich ist, und führen zur Klärung einen Mercedes 220 D aus. Erkenntnis: Ja, auch wenn wir im Schnitt 10,5 l brauchen. Wir schreiben über die sensationellen Anfangserfolge der Japaner in ­Österreich (besonders Peugeot-404-Fahrer steigen um). Helmut Marko erzählt in jedem Heft vom Innersten des Motorsports und im Juli-Heft von seinem Le-Mans-Sieg, wir erklären die Funktion eines Stoßdämpfers und weisen darauf hin, dass Hebelstoßdämpfer nur mehr sehr selten verbaut werden.

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Musik & Film: Bunte Ware

Man ahnt, dass die Hitparade einst noch quer durch die Genres erstellt wurde, anders ist nicht zu erklären, dass Peter Alexander vor George Harrison führt, dass Daliah Lavi ebenso vorkommt wie Black Sabbath oder Deep Purple. Die kreischende Gitarre ist quasi am Karriere-Höhepunkt – oder aber der Untergang des Abendlandes, je nach Sichtweise.

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Filmisch besticht The French Connection (deutsch: Brennpunkt Brooklyn), so dass eine Fortsetzung gedreht werden muss. Die Erstauflage der wahren Geschichte einer zufälligen Beschattung mit tödlichen Folgen erhält verdienterweise fünf Oscars und drei Golden Globes. Ein verstörendes Meisterwerk liefert Stanley ­Kubrick mit Clockwork Orange, Claudia Cardinale und Brigitte Bardot spielen in Petroleum-Miezen. Der Film beweist vor allem, dass die deutschen Verleiher das Filmpublikum als ziemliche Dumpfis einstufen, die von dumpfen Titeln angezogen werden, wobei der Originaltitel Les Pétroleuses auch nicht besser klingt.

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Österreichs Top 10 im Jahr 1971

1. Peter Alexander – Hier ist ein Mensch
2. George Harrison – My Sweet Lord
3. Dave Edmunds – I Hear You Knocking
4. Kinks – Apeman
5. Creedence Clearwater Revival – Have You Ever Seen The Rain

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6. Melanie – Ruby Tuesday
7. Black Sabbath – Paranoid
8. Daliah Lavi – Oh, wann kommst du?
9. Neil Diamond – Cracklin’ Rosie
10. Deep Purple – Black Night

Cover Autorevue 08/2011

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  1886Die Neuzeit wird aus Zucker karamellisiert, per Arbeiterprotest errungen, in New York errichtet oder aus Unlust am Geschirrabwaschen erfunden. Da passt ein Automobil hervorragend dazu. 1931Die Wirtschaftskrise fordert eine sachlichere Einstellung zum Wohnen, leider auch zur Ernährung. Zunehmen kann da nur der Radikalismus. 1936Das Deutsche Reich bewegt sich auf den Zenit seiner Macht zu. Die anderen ­beschränken sich auf die Rolle des die Schlange beobachtenden Kaninchens. 1938Ein Hauch von Normalität darf noch genossen werden, auch wenn ­Österreich schon von Ständestaat und Faschismus gezeichnet ist. Ein Auto, das den finanziellen Möglich­keiten der Menschen entgegenkommt: Steyr 55 Baby 1940Europa versinkt im von Hitler angezettelten Weltkriegs-Chaos, Amerika erfindet Nylonstrumpf und Burger-Bude, und die Rapidler zeigen den Deutschen, was ein Haken ist. 1947Volvo ferigt endlich in Serie, was als Prototyp schon 1944 vorgefahren ist, und die finale Evolutionsstufe des PV444, der PV544, bleibt sogar bis 1965 im Programm. 1949Vier Jahre nach Kriegsende beginnt die Welt, sich neu aufzustellen. 1951In Österreich wurden Siege mittels Schaumgummi erzielt. 1953Politische Machtwechsel, Nierentische und Wirtschaftswunder verlangen nach neuen Autos, besonders in den USA: Dort will Chevrolet die euro­päischen Sportwagen und den Konkurrenten Ford ausbeschleunigen. 1954Der Krieg ist nun ein kalter, Linke sind in den USA Kriminelle. Friedlich sind immerhin die Burger und die Transistoren. 1955Österreich und die Alliierten unterzeichnen ein Dokument, auf dem Österreichs Identität bis heute beruht, was leider knapp noch niemand im Fernsehen mitverfolgen kann. 1957Ein Teil Europas probiert das innere Zusammenwachsen, Krisen haben jetzt ohnedies ­andere Dimensionen, und Nachrichten bekommen eine eigene Fernsehsendung in Österreich. 1958Raumfahrt, Nukleares... und Österreich kann immerhin Schi fahren. 1959Der Máximo Líder entert die Weltbühne und ein dralles Stück Plastik die Kinderzimmer. 1961Wir präsentieren: Den allerersten Jaguar E-Type. 1962Das Jahr, das der Welt eine böse Zuspitzung des Kalten Krieges beschert. 1964Das Ende kam erst später. Aber der Anfang war viel schöner. 1965Kommen und gehen. Die Autorevue kommt pünktlich, daran hat sich bis heute nichts geändert. Sonst aber gab’s Neues, Hochfliegendes, Monumentales und den ersten gelernten Arbeiter als Bundespräsidenten. 1967Höhepunkt der Hippiebewgung – was sich aber nicht ­überall mit Erfolg herumspricht. 1968Die 68er-Bewegung hat ihren Namen wirklich verdient, am eindrucksvollsten in Frankreich. Überhaupt scheint die Welt die Vergangenheit abzuschütteln, allerdings nicht überall. 1969Man sprach von der Revolution der Gesellschaft – und meinte dann doch eher freie Liebe und getunte Zigaretten. Dennoch: Mehr Epochales war selten. 1970 In Österreich beginnt die Ära der Sozialdemokratie. 1971 In Österreich beginnt die Ära der Sozialdemokratie. 1974Auf einmal war alles anders. Ein paar unlockere Scheichs drehten den Ölhahn zu, und wir mussten lernen, mit Tempolimits, autofreien Tagen und einem possierlichen Tierchen zu leben. Wir rächten uns mit dubiosem Haupthaar und LSD-Tapeten. 1975Die Zeugen Jehovas hatten für 1975 den Weltuntergang vorausgesagt. Stattdessen ging der schlimmste Krieg seit 1945 zu Ende. 1976Kein Handy, kein Internet, die Musik war im Radio, der Feind im Osten, um Mitternacht war das Fernsehen aus, und der Bundeskanzler hieß immer gleich. So einfach wird’s nie wieder sein. 1977Ein Jahr, das in der Rückschau vorwiegend aus Herbst besteht. 1978Das Jahr ist in Österreich eher mit Ortsnamen verbunden, die bis heute nachklingen, ­während Rom drei Päpste und England das erste Retortenbaby sieht. 1979Alles wie immer. In einem Land kommen die Bärtigen an die Macht, in einem anderen ­werden sie vertrieben, und die Tschechen beleidigen uns wieder einmal fürchterlich. 1981Konflikte schwappen bis Wien und sind auch sonst zahlreich, und die USA gehen modern in die Luft. 1982Wir wollten nur ein bisschen Frieden, doch US-Präsident Ronald Reagan machte Politik zur Westernshow. Arnold Schwarzenegger grunzte sich durch „Conan der Barbar“, und wir lebten mit Pumphosen hinterm Mond. Es war ein gutes Jahr. 1987Bevor die Mauer fällt, wird viel verhandelt und unterzeichnet – und ein Flieger hilft ein wenig mit, indem er landet, wo niemand landen dürfte. 1989Am großen Rad der Zeit gedreht. Und wir lenkten an den kleinen mit. 1990Statt zwei Deutschland gibt’s plötzlich nur eines, auch sonst verändert sich die Welt hauptsächlich dort, wo bislang Veränderung nicht anzutreffen war. Ähnliches gilt für die Welt der Sportwagen: Japan redet plötzlich mit, und zwar ganz ernsthaft.