1982: Die Gute, das Böse, der Gemeine
Wir wollten nur ein bisschen Frieden, doch US-Präsident Ronald Reagan machte Politik zur Westernshow. Arnold Schwarzenegger grunzte sich durch „Conan der Barbar“, und wir lebten mit Pumphosen hinterm Mond. Es war ein gutes Jahr.

  Autor: Stefan Schlögl  

Das Gute kommt 1982 aus Deutschland und heißt – abhängig von der persönlichen Interessenlage – Walter Röhrl oder Nicole. Ersterer holt für Opel völlig überraschend die Rallye-WM, Letztere gewinnt gar nicht überraschend den ­Eurovision Song Contest. Das Siegerlied, eine klebrige Heile-Welt-Schmonzette aus der Feder des noch klebrigeren Ralph ­Siegel, heißt „Ein bisschen Frieden“ und ist eiskalt auf den ­friedensbewegten Zeitgeist zugeschnitten. Der kommt nicht von ungefähr, selbst im verschlafenen Wien gehen 70.000 Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Straße. Die größte Demonstration in der Geschichte der Zweiten Republik bis dahin.
Ansonsten neigt sich die Regentschaft von Kanzler und „Sonnenkönig“ Bruno Kreisky ihrem Ende zu, man hat Muße, mangels richtiger Sorgen den Konflikt um das Wiener Austria Center zum Volksbegehren hochzujazzen. Markus Rogan, der künftige Gold- und Silberfisch, kommt zur Welt, wie auch der spätere – nunja – Radsportler Bernhard Kohl.
In der Welt da draußen geht es hingegen etwas deftiger zu: In Polen treibt die renitente Gewerkschaft Solidarność einen ersten Keil in den Krypto-Kommunismus und wird prompt verboten. Der sowjetische KPdSU-Chef Leonid Breschnew nimmt das erfreut zur Kenntnis. Dann stirbt er. Ihm folgt eine 68-jährige Nachwuchshoffnung an die Spitze der dahinsiechenden Super-Macht: Juri Andropow.
Sein Gegenüber auf der anderen Seite des Stacheldrahts ist indes noch voll im Saft: US-Präsident Ronald Reagan bezeichnet die Sowjetunion gemeinerweise als „Reich des Bösen“, was im Schatten des atomaren Wettrüstens nicht unbedingt als gute ­Gesprächsbasis gewertet werden konnte.
Seine Schwester im Geiste, die britische Premierministerin Margaret Thatcher, ist ebenfalls keine Freundin des Dialogs: Im Frühjahr holt sich die „Eiserne Lady“ mit dem natürlich gewachsenen Helm per Falklandkrieg ein paar öde ­Inseln samt Schafbestand von offenbar durchgeknallten argentinischen Militarios zurück.
Den Boulevard beherrscht hingegen der rätsel­hafte Unfalltod von Monacos Fürstin Gracia ­Patricia. Viel zu früh stirbt auch die unvergessene Romy Schneider.
Eher künstlerische Tragödien passieren hingegen auf der Kinoleinwand: Arnold Schwarzenegger erobert mit „Conan der Barbar“ Hollywood und wird mit dem grenzbanalen Bizeps-Epos eine Weltkarriere begründen.
Vogel des Jahres ist völlig zu Recht der ­Große Brachvogel (Numenius arquata), eine ­Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel.

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  1931Die Wirtschaftskrise fordert eine sachlichere Einstellung zum Wohnen, leider auch zur Ernährung. Zunehmen kann da nur der Radikalismus. 1936Das Deutsche Reich bewegt sich auf den Zenit seiner Macht zu. Die anderen ­beschränken sich auf die Rolle des die Schlange beobachtenden Kaninchens. 1940Europa versinkt im von Hitler angezettelten Weltkriegs-Chaos, Amerika erfindet Nylonstrumpf und Burger-Bude, und die Rapidler zeigen den Deutschen, was ein Haken ist. 1949Vier Jahre nach Kriegsende beginnt die Welt, sich neu aufzustellen. 1951In Österreich wurden Siege mittels Schaumgummi erzielt. 1953Der Bestseller eines Kleinstherstellers. Dann kam Pininfarina und der große Durchbruch. 1954Der Krieg ist nun ein kalter, Linke sind in den USA Kriminelle. Friedlich sind immerhin die Burger und die Transistoren. 1955Österreich und die Alliierten unterzeichnen ein Dokument, auf dem Österreichs Identität bis heute beruht, was leider knapp noch niemand im Fernsehen mitverfolgen kann. 1957Ein Teil Europas probiert das innere Zusammenwachsen, Krisen haben jetzt ohnedies ­andere Dimensionen, und Nachrichten bekommen eine eigene Fernsehsendung in Österreich. 1958Raumfahrt, Nukleares... und Österreich kann immerhin Schi fahren. 1959Der Máximo Líder entert die Weltbühne und ein dralles Stück Plastik die Kinderzimmer. 1961Wir präsentieren: Den allerersten Jaguar E-Type. 1962Das Jahr, das der Welt eine böse Zuspitzung des Kalten Krieges beschert. 1964Das Ende kam erst später. Aber der Anfang war viel schöner. 1965Kommen und gehen. Die Autorevue kommt pünktlich, daran hat sich bis heute nichts geändert. Sonst aber gab’s Neues, Hochfliegendes, Monumentales und den ersten gelernten Arbeiter als Bundespräsidenten. 1967Höhepunkt der Hippiebewgung – was sich aber nicht ­überall mit Erfolg herumspricht. 1969Man sprach von der Revolution der Gesellschaft – und meinte dann doch eher freie Liebe und getunte Zigaretten. Dennoch: Mehr Epochales war selten. 1970 In Österreich beginnt die Ära der Sozialdemokratie. 1971Der Minirock wird irgendwie noch kürzer und anders, während in Österreich eine neue Ära beginnt, auch beim Umweltschutz. 1974Auf einmal war alles anders. Ein paar unlockere Scheichs drehten den Ölhahn zu, und wir mussten lernen, mit Tempolimits, autofreien Tagen und einem possierlichen Tierchen zu leben. Wir rächten uns mit dubiosem Haupthaar und LSD-Tapeten. 1975Die Zeugen Jehovas hatten für 1975 den Weltuntergang vorausgesagt. Stattdessen ging der schlimmste Krieg seit 1945 zu Ende. 1976Kein Handy, kein Internet, die Musik war im Radio, der Feind im Osten, um Mitternacht war das Fernsehen aus, und der Bundeskanzler hieß immer gleich. So einfach wird’s nie wieder sein. 1977Ein Jahr, das in der Rückschau vorwiegend aus Herbst besteht. 1978Das Jahr ist in Österreich eher mit Ortsnamen verbunden, die bis heute nachklingen, ­während Rom drei Päpste und England das erste Retortenbaby sieht. 1979Alles wie immer. In einem Land kommen die Bärtigen an die Macht, in einem anderen ­werden sie vertrieben, und die Tschechen beleidigen uns wieder einmal fürchterlich. 1982Alles wie immer. In einem Land kommen die Bärtigen an die Macht, in einem anderen ­werden sie vertrieben, und die Tschechen beleidigen uns wieder einmal fürchterlich. 1987Bevor die Mauer fällt, wird viel verhandelt und unterzeichnet – und ein Flieger hilft ein wenig mit, indem er landet, wo niemand landen dürfte. 1989Am großen Rad der Zeit gedreht. Und wir lenkten an den kleinen mit.