Die Neuwagenpreis-Liste am Heftende umfasste 1974 stolze eineinhalb Seiten, mangels Testware konnte man sich also Wichtigerem widmen: ausgiebigen Reportagen über diverse Rallye-Gemetzel, Formel 1, Rallyecross, Auto-Slalom.
Auf der Ferrari-Teststrecke samt Niki und Commendatore ging’s vergleichsweise sicher zu.
1974 war das Jahr der Veränderungen: Die Ölkrise war da, die Gurtpflicht brachte allerlei Strangulier-Ware aus der Nachrüst-Szene.
Franz Wurz wurde trotz Überschlag Rallyecross-Europameister.
Epochales passierte auch am Freitagabend: Horst Tappert gab zum ersten Mal den Inspektor Derrick. Der schreckte bei seinen Verhörmethoden selbst vor dem Einsatz von Tränensäcken nicht zurück.
DAS Sportereignis des Jahres ist auch eines des Jahrhunderts: Am 30. Oktober 1974 begab sich in Kinshasa, Zaire, ein Boxkampf, der als „Rumble in the Jungle“ in die Geschichte eingehen sollte. Der Außenseiter Muhammad Ali schickte Weltmeister George Foreman in der achten Runde auf die Bretter.
Formel-1-Weltmeister wurde Emerson Fittipaldi auf McLaren.
Nachwuchshoffnung Helmut Koinigg starb in den Leitplanken von Watkins Glen.
„The Greatest“ – das galt 1974 auch für Sandro Munari auf Lancia Stratos. Ein Untier sondergleichen (der Stratos, natürlich).
Das Faserschmeichler-Duo „Waterloo & Robinson“ beherrschte die Charts.
Der Mann an sich war Mitte der 1970er noch immer ein Macho. Emanzipierte Friseusinnen straften ihn mit permanentem „Bad-Hair-Day“. Siehe Rex Gildo.
Jenseits des Tellerrands begründete das schwedische Quartett ABBA mit dem Songcontest-Siegerlied „Waterloo“ eine Weltkarriere.
Jack Nicholson wurde dafür in Roman Polanskis „Chinatown“ die Nase filetiert. Dennoch ein epochales Meisterwerk. Hierzulande boomten hingegen die „Lederhosen-Filme“ und damit das Genre der Volldodel-Erotik. Der deutschsprachige Film sollte sich von diesem Tiefschlag Jahrzehnte nicht erholen.
Spätestens ab 1974 setzte der Mann von Welt auf geschmacksverachtende Eigenhaar-Skulpturen. Offenbar von einer Terrorzelle der Friseurinnung kreiert, schreckte man auch vor dem Einsatz waffenscheinpflichtiger Koteletten (vulgo „Watschndämpfer“) und respektablem Porno-Schnäuzer nicht zurück. Dazu gab’s mit Goldketterln garniertes Brusthaar und knackenges, spermatozoenvernichtendes Beinkleid. So auch Paul Breitner.
Spätestens ab 1974 setzte der Mann von Welt auf geschmacksverachtende Eigenhaar-Skulpturen. Auch der österreichische Autocrosser Franz Wagenlechner.
Der Mann an sich war Mitte der 1970er noch immer ein Macho. Emanzipierte Friseusinnen straften ihn mit permanentem „Bad-Hair-Day“.
1931Die Wirtschaftskrise fordert eine sachlichere Einstellung zum Wohnen, leider auch zur Ernährung. Zunehmen kann da nur der Radikalismus.
1936Das Deutsche Reich bewegt sich auf den Zenit seiner Macht zu. Die anderen beschränken sich auf die Rolle des die Schlange beobachtenden Kaninchens.
1940Europa versinkt im von Hitler angezettelten Weltkriegs-Chaos, Amerika erfindet Nylonstrumpf und Burger-Bude, und die Rapidler zeigen den Deutschen, was ein Haken ist.
1949Vier Jahre nach Kriegsende beginnt die Welt, sich neu aufzustellen.
1951In Österreich wurden Siege mittels Schaumgummi erzielt.
1953Der Bestseller eines Kleinstherstellers. Dann kam Pininfarina und der große Durchbruch.
1954Der Krieg ist nun ein kalter, Linke sind in den USA Kriminelle. Friedlich sind immerhin die Burger und die Transistoren.
1955Österreich und die Alliierten unterzeichnen ein Dokument, auf dem Österreichs Identität bis heute beruht, was leider knapp noch niemand im Fernsehen mitverfolgen kann.
1957Ein Teil Europas probiert das innere Zusammenwachsen, Krisen haben jetzt ohnedies andere Dimensionen, und Nachrichten bekommen eine eigene Fernsehsendung in Österreich.
1958Raumfahrt, Nukleares... und Österreich kann immerhin Schi fahren.
1959Der Máximo Líder entert die Weltbühne und ein dralles Stück Plastik die Kinderzimmer.
1961Wir präsentieren: Den allerersten Jaguar E-Type.
1962Das Jahr, das der Welt eine böse Zuspitzung des Kalten Krieges beschert.
1964Das Ende kam erst später. Aber der Anfang war viel schöner.
1965Kommen und gehen. Die Autorevue kommt pünktlich, daran hat sich bis heute nichts geändert. Sonst aber gab’s Neues, Hochfliegendes, Monumentales und den ersten gelernten Arbeiter als Bundespräsidenten.
1967Höhepunkt der Hippiebewgung – was sich aber nicht überall mit Erfolg herumspricht.
1969Man sprach von der Revolution der Gesellschaft – und meinte dann doch eher freie Liebe und getunte Zigaretten. Dennoch: Mehr Epochales war selten.
1970 In Österreich beginnt die Ära der Sozialdemokratie.
1971Der Minirock wird irgendwie noch kürzer und anders, während in Österreich eine neue Ära beginnt, auch beim Umweltschutz.
1974Der Minirock wird irgendwie noch kürzer und anders, während in Österreich eine neue Ära beginnt, auch beim Umweltschutz.
1975Die Zeugen Jehovas hatten für 1975 den Weltuntergang vorausgesagt. Stattdessen ging der schlimmste Krieg seit 1945 zu Ende.
1976Kein Handy, kein Internet, die Musik war im Radio, der Feind im Osten, um Mitternacht war das Fernsehen aus, und der Bundeskanzler hieß immer gleich. So einfach wird’s nie wieder sein.
1977Ein Jahr, das in der Rückschau vorwiegend aus Herbst besteht.
1978Das Jahr ist in Österreich eher mit Ortsnamen verbunden, die bis heute nachklingen, während Rom drei Päpste und England das erste Retortenbaby sieht.
1979Alles wie immer. In einem Land kommen die Bärtigen an die Macht, in einem anderen werden sie vertrieben, und die Tschechen beleidigen uns wieder einmal fürchterlich.
1982Wir wollten nur ein bisschen Frieden, doch US-Präsident Ronald Reagan machte Politik zur Westernshow. Arnold Schwarzenegger grunzte sich durch „Conan der Barbar“, und wir lebten mit Pumphosen hinterm Mond. Es war ein gutes Jahr.
1987Bevor die Mauer fällt, wird viel verhandelt und unterzeichnet – und ein Flieger hilft ein wenig mit, indem er landet, wo niemand landen dürfte.
1989Am großen Rad der Zeit gedreht. Und wir lenkten an den kleinen mit.