Nach dem Salon wurde 885'005 wieder in die Garage Place Claparède zurückgebracht. Dort diente es weiteren Demo-Fahrten - und wurde gleichzeitig auf die Schweizer Typen-Prüfung vorbereitet. Am 16. Mai 1961 wurde der Wagen an die «CAP»-Rechtsschutz-Versicherung gekauft, deren damaliger Chef, Georges Filipinetti, kein Unbekannter war, auch wenn er seine „Scuderia Filipinetti“ erst ein Jahr später gründete. Zum ersten Mal eingelöst wurde der E-Type allerdings erst im November 1961.
Was dann genau mit 885'005 geschah, liegt im Dunkeln. Die nächste Spur des E-Type findet sich erst wieder 1974, als er im Kanton Solothurn dem Straßen-Verkehrsamt vorgeführt wurde. Im Februar wurde der Wagen von einem Herrn Stucki eingelöst, am 18. Juni 1975 wurde der E-Type gemäß einem Entlebucher Polizei-Rapport wegen einer mangelhaften Handbremse für verkehrsuntauglich eingestuft, und am 8. August 1975 vom Kanton Luzern konfisziert. Es dauerte fast 25 Jahre, bis der E-Type zum nächsten Mal auftauchte, 1999 war es, als er in einer Annonce im Gratisanzeiger des Kantons Waadt zum Verkauf angeboten wurde. Der Wagen war unterdessen schwarz lackiert und mit einem 4,2-Liter-Motor versehen. Ein Monsieur Pittet kaufte den Wagen auf Anraten des Jaguar-Kenners Us Haehnle, der die nach kurzer Prüfung die geschichtliche Bedeutung des Wagens erkannt hatte.
Im Jahr 2002 verkaufte Pittet 885'005 an Georg Dönni von «GB Classic Cars» in Roggliswil. Dönni, einer der weltweit ausgewiesenen Jaguar-Kenner und -Restauratoren überhaupt, war klar, dass es sich hier um ein sehr großes Restaurations-Objekt handelte. Er brauchte einen wahren Kenner, einen Liebhaber, der die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stellen konnte und wollte, um 885'005 wieder in den Originalzustand zu versetzen. Er fand ihn im heutigen Besitzer des Wagens, der ihn auch uns zur Verfügung stellte.
Der Aufwand war gewaltig. Mit einigem Erstaunen wurde während der Restauration klar, dass 885'005 eigentlich als Cabriolet geplant gewesen war und erst nachträglich als Coupé karrossiert wurde. Es gab noch viele andere Unterschiede zu den E-Type, die in Serie gefertigt wurden, was die Arbeiten an 885'005 nicht einfacher gestaltete. Doch 2005, rechtzeitig zum 100. Jubiläum des Genfer Salons, war der Wagen fertig - und kehrte im Rahmen einer Sonder-Ausstellung glorreich an den Ort seines ersten ruhmvollen Auftritts zurück. Ob dieses einmalige Fahrzeug auch auf dem Jaguar-Stand am Genfer-Salon 2011, exakt 50 Jahre nach seiner Präsentation, stehen wird, entzieht sich unserer Kenntnis.
Um es einmal so ausdrücken: Nein, es ist kein Vergnügen, diesen Wagen zu bewegen. Ganz einfach deshalb, weil man sich auf jedem Meter bewusst ist, um welch einmaliges Fahrzeug es sich bei 885'005 handelt; nicht ausdenken will man sich, was wäre, wenn. Eigentlich hatten wir schon Hemmungen, uns überhaupt in diesen E-Type zu setzen, einfach so, in Jeans. Aber der Besitzer lacht da nur, er bewegt diesen ersten aller E-Type mit einer Ruhe und Gelassenheit, die wir auch gerne einmal erreichen würden im Leben. Er ist sich auch nicht zu schade, den E-Type wieder und wieder am Fotografen vorbei zu fahren - und er könnte stundenlang die Geschichte seines Wagens erzählen, die er bis ins letzte Detail kennt. Wir möchten uns an dieser Stelle auch höflichst dafür bedanken, dass er uns seine ausgezeichnet dokumentierten Unterlagen, aus denen wir hier fleißig in bester von und weg und zu Guttenberg'scher Manier abgeschrieben haben, überlassen hat.
Begeisternd, auch heute noch: der Sound. Es geht halt nichts über die Geräusch-Entwicklung eines Reihen-Sechszylinders (außer vielleicht: das Blubbern eines amerikanischen V8). Das Getriebe ist wie bei allen frühen E-Type, sagen wir mal: schwierig zu handhaben, wir wissen jetzt auch, warum das Ding als die «Crashbox» von Moss bezeichnet wird. Aber sonst ist alles von einer Pracht und einer Herrlichkeit, wie es sie heute kaum mehr gibt - auch beim Fahren ist so ein 50-jähriger E-Type so wunderbar wie er von außen aussieht.
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