Das Jahr ist noch nicht einmal zwei Stunden alt, als es kurzerhand Richtung Revolution abbiegt. Am 1. Jänner lässt der kubanische Diktator Fulgencio Batista in den frühen Morgenstunden eilig ein paar Habseligkeiten zusammenraffen, er selbst greift sich einen Koffer mit 40 Millionen US-Dollar Bargeld, um sodann Richtung Dominikanischer Republik zu entfliehen. Sieben Jahre zuvor hatte der Sohn eines Zuckerrohrplantagen-Besitzers den Guerilla-Kampf gegen Batista aufgenommen, am Neujahrstag 1959 sollte sich der Mann als Anführer der kubanischen Revolution seinen Eintrag in die Geschichtsbücher erobern: Fidel Castro, damals Weltverbesserer, ein paar Jahre danach Beinahe-Auslöser des Dritten Weltkrieges, in weiterer Folge ideologieversteinerter Diktator.
Und nicht zuletzt: gefürchteter Redner – was vor allem die Länge seiner Suaden betrifft. Bis zu zehn Stunden hat sich der Máximo Líder mitunter gegönnt, um seine Weltsicht auszubreiten. Das reichte offenbar, um bei Sozialromantikern eine schräge Liebe für seinen Hardcore-Sozialismus mit karibischem Antlitz auszulösen. Nicht minder schräg die Liebe des Neoliberalen für illegal importierte Havanna-Zigarren. Seltsam, die Thrills der Mächtigen.
