Deutschland vor 33 Jahren: Das ganze Land ist wie gelähmt, wähnt sich im Belagerungszustand. Öffentliche Einrichtungen, Industrielle, Politiker sind in Gefahr, ebenso – und als Folge der staatlichen Reaktion darauf – die Grundrechte, die Meinungsfreiheit, das Miteinander ohne Misstrauen.
Die RAF (Rote Armee Fraktion) ist zu ihrer Offensive 77 angetreten, deren Ziel die Befreiung der inhaftierten Mitkämpfer ist, darunter die tatsächliche und ideelle Führungsgruppe mit Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Irmgard Möller und Jan-Carl Raspe. Die Offensive beginnt am 7. April mit der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback, seines Chauffeurs und eines Mitarbeiters auf offener Straße. Am 30. Juli wird der Bankier Jürgen Ponto in seinem Haus von Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar erschossen. Am 5. September schließlich entführt ein Kommando den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Mit ihm sollen die Terroristen direkt freigepresst werden, aber die Bundesregierung unter Helmut Schmidt bleibt hart.
Daran ändert auch die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut einen Monat später durch ein mit der RAF verbündetes palästinensisches Terrorkommando nichts. Als das Flugzeug am 18. Oktober nach sechs Tagen in Mogadischu von der deutschen Antiterroreinheit GSG-9 gestürmt wird, ist der RAF klar, dass ihre Pläne gescheitert sind: Raspe, Ensslin und Baader begehen – stets topaktuell über die Weltlage informiert – noch in derselben Nacht in der JVA Stammheim Selbstmord. Hanns Martin Schleyer wird ebenfalls am 18. Oktober an der grünen Grenze zu Frankreich von seinen Entführern hingerichtet.
Cover Autorevue 05/2010

