Absolut
Der Minirock wird irgendwie noch kürzer und anders, während in Österreich eine neue Ära beginnt, auch beim Umweltschutz.

1971 Das Jahr ZEitmaschine VW Salzburg Käfer Rallye

Die SPÖ regiert schon ein Jahr lang als Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ, jetzt geht sich der winzige Stimmen­zuwachs, der noch zur absoluten Mehrheit gefehlt hat, aus: Mit 50,0 Prozent der Wählerstimmen regiert die SPÖ nach der Wahl vom 10. Oktober ohne Koalitionspartner. Bruno Kreisky, bei der Wahl 1970 noch mit der Aura des Übergangs-Parteivorsitzenden behaftet, ist jetzt in der Rolle des Kanzlers zementiert. Er soll dieses Amt bis 1983 behalten und Österreich in einer Weise modernisieren, dass die Jahre davor als vergleichsweise verstaubt im kollektiven Gedächtnis verhaftet bleiben. Mit Franz Jonas wird ein weiterer SPÖ-Politiker als Bundespräsident wiedergewählt, der Gegenkandidat der ÖVP hieß Kurt Waldheim. Sein Versprechen einer Präsidentschaft „neuen Stils“ wird er erst fünfzehn Jahre später irgendwie doch einlösen können.

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Aus einer anderen Welt scheint das Wahlrecht der Schweiz bis 1971 zu stammen. Am 7. Februar wird über das aktive und passive Wahlrecht für Frauen abgestimmt, freilich nur von den Männern, die Frauen dürfen ja noch nicht. Dennoch ist Frauen ab 16. März 1971 das Wählen erlaubt, so wirklich echt vollständig soll das Wahlrecht für Frauen allerdings erst 1990 werden, da zählen nach einem Spruch des Bundesgerichts erstmals auch weibliche Stimmen auf Kantonaler Ebene im Kanton Appenzell Innerrhoden.

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Mode und Frisuren lassen sich noch anmerken, dass 1968 und sein buntes Gedankengut nicht so lange her sind, besonders in Österreich: Selbst Frisuren sind blumig, und weil der Minirock schon fast als etabliert und aufregungsfrei durchgeht, übernehmen Hot Pants die Aufregerrolle als quasi etwas breiterer Gürtel, oft durch ­radikale Amputation der Hosenbeine selbst ­geschnipselt und bei Anhängern konservativer Mode ein weiterer Beweis des dräuenden Unterganges des Abendlandes.

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Von keinerlei Selbstzweifeln ist Walter Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR, angekränkelt, vielmehr stellt er wenig subtil schon länger den Vorbildcharakter der KPdSU in Frage, indem er die Rolle der DDR in der Welt (also in der östlichen Hälfte) deutlich überschätzt. Derlei kann nicht gut gehen. Leonid Breschnew legt ihm 1971 sehr deutlich den Rücktritt nahe, den erklärt Ulbricht am 3. Mai 1971 „aus gesundheitlichen Gründen“. Als sein Nachfolger wird der 58-jährige Erich Honecker bestimmt, Ulbricht wird in der Folgezeit aus der Geschichts­schreibung der DDR emsig entfernt, er bleibt bis zu seinem ­Lebensende 1973 „Ehrenvorsitzender der SED“, was immer man sich darunter vorstellen darf.

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Als dauerhafter und beliebter als die DDR wird sich letztlich die Milka-Kuh erweisen, die 1971 von der Werbeagentur Young & Rubicam in jenem Felldesign entworfen wird, das Stadtkinder heute bisweilen für eine natürliche Erscheinungsform des Paarhufers halten. Im selben Jahr wird das erste Frauenhaus West­europas im britischen Chiswick eröffnet, es soll Frauen Schutz vor männlicher Gewalt bieten und wird folglich bald zu klein. Ebenfalls lokal beginnt die Organisation Greenpeace, die sich 1971 im kanadischen Vancouver formiert, um US-Atomtests zu verhindern. Das gelingt zwar nur indirekt, aber immerhin. Ebenfalls dringend benötigt wird die Organisation Ärzte ohne Grenzen, um ehrenamtlich in katastrophenfällen Hilfe zu leisten.

Perry Rhodan ist jetzt zehn Jahre alt, die Hefte schauen aber aus, als wären sie schon immer da gewesen. Drinnen wirbt Arnold Schwarzenegger für 15 cm mehr Brustumfang in 15 Tagen, und es gibt auch eine Zeitung für Biertrinker: die „Thier Pils“-Illustrierte.

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Im Oktober 1971 wird Jackie Stewart zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister, er wird diesen Titel 1973 zum dritten Mal holen.

Cover Autorevue 08/2011

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  1886Die Neuzeit wird aus Zucker karamellisiert, per Arbeiterprotest errungen, in New York errichtet oder aus Unlust am Geschirrabwaschen erfunden. Da passt ein Automobil hervorragend dazu. 1931Die Wirtschaftskrise fordert eine sachlichere Einstellung zum Wohnen, leider auch zur Ernährung. Zunehmen kann da nur der Radikalismus. 1936Das Deutsche Reich bewegt sich auf den Zenit seiner Macht zu. Die anderen ­beschränken sich auf die Rolle des die Schlange beobachtenden Kaninchens. 1938Ein Hauch von Normalität darf noch genossen werden, auch wenn ­Österreich schon von Ständestaat und Faschismus gezeichnet ist. Ein Auto, das den finanziellen Möglich­keiten der Menschen entgegenkommt: Steyr 55 Baby 1940Europa versinkt im von Hitler angezettelten Weltkriegs-Chaos, Amerika erfindet Nylonstrumpf und Burger-Bude, und die Rapidler zeigen den Deutschen, was ein Haken ist. 1947Volvo ferigt endlich in Serie, was als Prototyp schon 1944 vorgefahren ist, und die finale Evolutionsstufe des PV444, der PV544, bleibt sogar bis 1965 im Programm. 1949Vier Jahre nach Kriegsende beginnt die Welt, sich neu aufzustellen. 1951In Österreich wurden Siege mittels Schaumgummi erzielt. 1953Politische Machtwechsel, Nierentische und Wirtschaftswunder verlangen nach neuen Autos, besonders in den USA: Dort will Chevrolet die euro­päischen Sportwagen und den Konkurrenten Ford ausbeschleunigen. 1954Der Krieg ist nun ein kalter, Linke sind in den USA Kriminelle. Friedlich sind immerhin die Burger und die Transistoren. 1955Österreich und die Alliierten unterzeichnen ein Dokument, auf dem Österreichs Identität bis heute beruht, was leider knapp noch niemand im Fernsehen mitverfolgen kann. 1957Ein Teil Europas probiert das innere Zusammenwachsen, Krisen haben jetzt ohnedies ­andere Dimensionen, und Nachrichten bekommen eine eigene Fernsehsendung in Österreich. 1958Raumfahrt, Nukleares... und Österreich kann immerhin Schi fahren. 1959Der Máximo Líder entert die Weltbühne und ein dralles Stück Plastik die Kinderzimmer. 1961Wir präsentieren: Den allerersten Jaguar E-Type. 1962Das Jahr, das der Welt eine böse Zuspitzung des Kalten Krieges beschert. 1964Das Ende kam erst später. Aber der Anfang war viel schöner. 1965Kommen und gehen. Die Autorevue kommt pünktlich, daran hat sich bis heute nichts geändert. Sonst aber gab’s Neues, Hochfliegendes, Monumentales und den ersten gelernten Arbeiter als Bundespräsidenten. 1967Höhepunkt der Hippiebewgung – was sich aber nicht ­überall mit Erfolg herumspricht. 1968Die 68er-Bewegung hat ihren Namen wirklich verdient, am eindrucksvollsten in Frankreich. Überhaupt scheint die Welt die Vergangenheit abzuschütteln, allerdings nicht überall. 1969Man sprach von der Revolution der Gesellschaft – und meinte dann doch eher freie Liebe und getunte Zigaretten. Dennoch: Mehr Epochales war selten. 1970 In Österreich beginnt die Ära der Sozialdemokratie. 1971 In Österreich beginnt die Ära der Sozialdemokratie. 1974Auf einmal war alles anders. Ein paar unlockere Scheichs drehten den Ölhahn zu, und wir mussten lernen, mit Tempolimits, autofreien Tagen und einem possierlichen Tierchen zu leben. Wir rächten uns mit dubiosem Haupthaar und LSD-Tapeten. 1975Die Zeugen Jehovas hatten für 1975 den Weltuntergang vorausgesagt. Stattdessen ging der schlimmste Krieg seit 1945 zu Ende. 1976Kein Handy, kein Internet, die Musik war im Radio, der Feind im Osten, um Mitternacht war das Fernsehen aus, und der Bundeskanzler hieß immer gleich. So einfach wird’s nie wieder sein. 1977Ein Jahr, das in der Rückschau vorwiegend aus Herbst besteht. 1978Das Jahr ist in Österreich eher mit Ortsnamen verbunden, die bis heute nachklingen, ­während Rom drei Päpste und England das erste Retortenbaby sieht. 1979Alles wie immer. In einem Land kommen die Bärtigen an die Macht, in einem anderen ­werden sie vertrieben, und die Tschechen beleidigen uns wieder einmal fürchterlich. 1981Konflikte schwappen bis Wien und sind auch sonst zahlreich, und die USA gehen modern in die Luft. 1982Wir wollten nur ein bisschen Frieden, doch US-Präsident Ronald Reagan machte Politik zur Westernshow. Arnold Schwarzenegger grunzte sich durch „Conan der Barbar“, und wir lebten mit Pumphosen hinterm Mond. Es war ein gutes Jahr. 1987Bevor die Mauer fällt, wird viel verhandelt und unterzeichnet – und ein Flieger hilft ein wenig mit, indem er landet, wo niemand landen dürfte. 1989Am großen Rad der Zeit gedreht. Und wir lenkten an den kleinen mit. 1990Statt zwei Deutschland gibt’s plötzlich nur eines, auch sonst verändert sich die Welt hauptsächlich dort, wo bislang Veränderung nicht anzutreffen war. Ähnliches gilt für die Welt der Sportwagen: Japan redet plötzlich mit, und zwar ganz ernsthaft.