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SHORTCUT

Was wir mögen
Diese völlige Geschlossenheit, diese zelebrierte Offenheit. Und dazwischen keine zwanzig Sekunden.
Was uns fehlt
Der Durchblick. War das jetzt eine Riffelkante auf dem Fahrbahnbelag oder das Rütteln des Aktiven Spur­halteassistenten im Lenkrad? Kommt ein Gewitter oder ist Magic Sky ­Control aktiviert?
Was uns überrascht
Dass es noch wirklich schlaue Ideen gibt: Kofferraumöffnen via Fußgewedel.
Die Konkurrenz
SL 63 AMG, wenn man’s genau nimmt.

AUTODATEN

Mercedes-Benz SL 2 Türen, 2 Plätze, Kofferraum 365–504 l 462 cm, ab 1685 kg, Frontantrieb, V6- und V8-Zylinder-Motor 6 AB, ESP, BAS, Klima, FB; Mercedes-Benz SL350: € 103.000,– 3498 ccm, 225 kW (306 PS), 370 Nm 250 km/h, 0–100 in 5,9 sec, CO2 159 g/km MVEG-Verbrauch: 9,3/5,4/6,8 (E) Mercedes-Benz SL500: € 137.000,– 4663 ccm, 320 kW (435 PS), 700 Nm 250 km/h, 0–100 in 4,6 sec, CO2 212 g/km MVEG-Verbrauch: 12,7/7,0/9,1 (E)
Mercedes Benz SL

Vorstellung: Mercedes-Benz SL

Kecker Knick im Opus Magnum

SL stand ursprünglich für Sport Leicht. Heute können wir Second Life einsetzen. Trifft Zielgruppenalter wie virtuellen Spielwert.

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Durch insgesamt 84 beheizbare Löcher in den Wischergummiblättern werden die Scheiben gewässert. Minimierter Wasserbedarf, und die Cabriopassagiere bleiben trocken. Nennt sich Magic Vision Control. Damit wäre einmal die Grundhaltung illustriert, mit der anno 2012 Autos gebaut werden in Sindelfingen.

Der Mercedes-Benz SL, immer schon ein Darstellungsmuskel oberer ­Extremitäten, steht heute in seiner sechsten Generation, beginnend beim 300 SL Flügeltürer von 1954 (und dessen Roadster-Variante ’57), gefeiert als Sportwagen-Ikone des ­(vergangenen) Jahrhunderts. Später erfüllten SLs die Lifestyle-Ansprüche der deutschbefindlichen Jet-Set-Fraktion.

Mercedes Benz SL500 Innenraum 2 Vorstellung: Mercedes Benz SL

Der neue SL gefällt durch Linie und Spannung. Ein perfekter Sportwagen, sagt der Marketingmann. Kraftvoll ­ausmodelliert entlang der gespannten Schulterlinie, sagt der Designmann. Auch die Begriffe Tradition-plus-Innovation minus 110 kg Leergewicht werden hörbar. Verchromte Finnen verstehen sich als ­Reminiszenz, die Rückkehr zur steilen Kühlermaske zieht Länge in die Motorhaube. Die Frontpartie, ausgeklügelt bis ins Detail, wird durch vertikale Stege thematisch geklammert. Eine gespannte Horizontale in der Kühlermaske sorgt für Gelassenheit im Zusammenspiel mit der neuen, auf Breite spielenden Scheinwerferkonfiguration.

Das Heck will rund und kraftvoll wirken, die weit auseinander liegenden Auspuffenden demonstrieren ebenfalls Breite. Ein „kecker Knick“ (Designbeauftragter Plessing) in der Heckleuchte ist in Wirklichkeit ein Zugeständnis an die Aerodynamik, weil sich hier eine kritische Stelle für den gepflegten Abgang befindet. Dass der Wagen hinten breiter wirkt als vorne, ist keine Täuschung, auch wenn es sich nur um 57 mm Spurbreite handelt.

„Sie können 250 fahren, ­solange sie wollen“, sagt der Techniker über den dramatisch überarbeiteten 435-PS-V8, der gegenüber dem vorherigen 500-SL-Triebwerk 800 ccm weniger Hubraum, aber dank zweier Turbolader signifikant mehr Leistung und deutlich mehr Drehmoment liefert: 700 Nm ab 1600/min.

Der V6 des SL 350 entspricht bautechnisch dem ­Vorgänger, konnte aber verbrauchstechnisch ausgetrocknet werden auf errechnete 6,8 Liter/100 km. Dabei spielt die neu abgestimmte 7G-Tronic Plus eine wesentliche Rolle. Dann geht der Mann zum Heck und wedelt mit dem Fuß unterm Auto – der Kofferraumdeckel fährt automatisch hoch (und lässt sich so auch wieder schließen). Sieht so die Zukunft aus? Ja gerne, wenn man vollbepackt mit Einkaufstaschen daherkommt.

Geringere Notwendigkeit: Per Knopfdruck kann das Glasdach molekular gedimmt werden. Aus blauem Himmel wird dunkelblauer. Heißt ­Magic Sky Control. Der Innenraum, natürlich von höchster Wertigkeit, umhüllt die Passagiere in Wrap-Around-Anmutung. Sechs Farben, drei Holzarten stehen zur Wahl. Die vier Luftdüsen erinnern an den SLK, der kleine Shifthebel an den SLR McLaren. Das Windschott, flächig integriert, wird elektrisch aktiviert. Kein Wirbel kräuselt das teure Haar, sofern auch die Seitenscheiben hochgefahren sind.

Ablagen, Cupholder etc. sind reichlich vorhanden, der US-Markt ist die Nummer eins. Ein neues Frontbass-System, dessen Resonanz schon beim Rohkarosseriebau berücksichtigt wurde, wirkt per Dröhnung direkt auf den Körper – „emotional“, wie der Marketingmann weiß. Stammt die Anlage von Harman Kardon, stehen 600 Watt zur Verfügung. B&O, gegen Aufpreis, darf sogar 900 liefern.

Mercedes Benz SL500 Innenraum 1 Vorstellung: Mercedes Benz SL

Damit wir da keine falschen Präferenzen zulassen: Was emotional ist, bestimmen immer noch der Fahrer, das Auto, die Straße, der Fahrtwind. Auch wenn dieser nur wie ein Starfriseur durch das teure Haar webt, wird man doch von dem kühnen Aberwitz erfasst, hunderttausend Euro blank­zuziehen, denn es liegt ein ­wilder Reiz verborgen in der Lässigkeit der (Selbst-)Darstellung, auch wenn der Auftritt per Knopfdruck in 20 Sekunden wieder abgesagt wird. ­Übrigens: Trotz neuerlicher Karosserieversteifung lässt sich das Cabrioschüttern nicht ganz verleugnen. Und das ist eigentlich gut so. Besser noch: Das gepflegt asymmetrische V8-Bellen, von Felswänden ­zurückgeworfen.

Inzwischen hat aber AMG, die Abteilung fürs Nachschärfen, noch einmal zugelegt: Der SL 63 AMG bringt 537 PS in der minderen, 564 PS in der stärkeren Version (900 Nm Drehmoment) zustande. So kann die Beschleunigung von null auf 100 km/h in 4,3 bzw. 4,2 Sekunden gestoppt werden, Tempo 200 ist nach 12,9 bzw. 12,6 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h elektronisch begrenzt, dank optionalem AMG Performance Package ist eine Anhebung auf 300 km/h möglich (elektronisch begrenzt). Der Verbrauch nach MVEG gesamt beträgt 9,9 Liter je 100 Kilometer für beide Leistungsstufen, was einer Reduktion um 4,2 Liter/100 km gegenüber dem Vorgängermodell entspricht. 

 

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