Jean und Jean-Paul

Im Gartenbaukino wird ab 12. März Godards „Á bout de souffle“ (Außer Atem) gezeigt.

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Es gibt Autofilme und Autofilme. Der hier ist einer von denen, die man vielleicht nicht primär als Autofilm einstufen würde. Kein Bullitt oder Le Mans oder Fluchtpunkt San Francisco. Aber auch ganz groß und die Unruhe in sich tragend, die das Auto ins Spiel bringt. In „Á bout de souffle“, auf Deutsch „Außer Atem“, klaut der wunderbare junge Jean-Paul Belmondo gleich zu Beginn des Films in Paris ein Auto, fährt aufs Land, wird von der Polizei bei einer Verkehrskontolle aufgehalten, tritt die Flucht an und erschießt ziemlich ohne mit der Wimper zu zucken einen Bullen, als der ihn stellen will. Später trifft Belmondo dann Jean Seberg, in die er sich verliebt, es gibt weitere Stadtszenen, in denen auch jede Menge spannender Autos zu sehen sind, zumindest sind sie aus heutiger Sicht spannend, der Film ist schließlich schon ein halbes Jahrhundert alt und diese Autos heute ein seltener Anblick geworden.
Außer Atem war einer der ersten Nouvelle-Vague-Filme, in dem alles anders gemacht wurde, als man das vom Kino dieser Zeit gewöhnt war. Handkamera. Heftige Schnitte. Impulsive Kamerafahrten durch die Stadt. Bilder und Dialoge, die nicht immer synchron liefen. Es war der erste Langfilm von Jean-Luc Godard, das Buch schrieb Francois Truffaut, der es von Zeitungsmeldungen über einen tatsächlichen Polizistenmord zu der Geschichte anregen ließ.
Zu meinen Lieblingsszenen gehört die anfängliche Autofahrt, noch bevor die Geschichte durch den Schuss ihren Lauf nimmt: Belmondo kommentiert selbstvergessen das Verkehrsgeschehen, etwas auf die Art, wie Monologe manchmal auch im eigenen Kopf ablaufen, wenn man mit sich, dem Wagen und der Straße alleine ist. Und die Szene, als Belmondo vor einem Kino ein Bild von Humphrey Bogart anschaut und sich high-drama-mäßig mit dem Daumen über den Mund fährt, was er dann immer wieder tun wird während des Films.
Die Geschichte geht nicht gut aus. Die, die den Film kennen, wissen das. Und die, die ihn vielleicht noch nie gesehen haben (oder sich nicht mehr so gut erinnern können): Seht ihn euch an. „À bout de souffle“ wird anlässlich seines 50jährigen Jubiläums ab morgen im Wiener Gartenbaukino wiederaufgeführt. Dass es ihn auch auf DVD gibt, zählt nicht. Kino ist Kino.

Von 12. bis 23. März 2010; 19 und 21 Uhr
Á BOUT DE SOUFFLE
Ein Film von Jean-Luc Godard
Frankreich 1959; OmU, 90 min
Im Gartenbaukino, Parkring 12, 1010 Wien, Tel. (01) 512 23 54

 

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2 Kommentare

  1. griso69

    Leider im Original nie gesehen,aber bei jeder Nachtwiederholung in ARTE immer dabei.
    Allein Jean Seberg wegen,und weil Belmondo selten so gut war wie in dem Film.

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  2. dschungeltier

    echt geil ist aber weekend, mit seinem "beschissenen" facel . manchmal frag ich mich bei godard schon: was hat uns damals daran gefallen

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