Lotus 

Bitte betteln Sie jetzt

Christian Kornherr fährt den Rindt-Lotus und wir nutzen die Chance.

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Kurz wieder ein Kind sein. Zurückversetzt in jene Tage, als es, befreit von der Last eigenen Geldes, zwei Möglichkeiten gab die Eltern um etwas zu bitten. Einerseits das nervtötende Betteln, das bei meinen Erziehungsberechtigten nie, aber auch wirklich nie, zu einem auch nur annähernd erwähnenswerten Erfolg geführt hätte, und natürlich das viel feingliedrigere gute Timing.

Es war ganz einfach. Man musste jenen Augenblick abwarten, als Frau Mama oder Herr Papa mit jenem beseelten Ausdruck glücklichen Nichts in den Augen im Wohnzimmer saßen und sich zur Feier von Irgendwas einen guten Ouzo oder ein Glas Sekt gönnten – ein neuer Job, manchmal muss es eben Mumm sein, mehr Gehalt, Prost, Beförderung, lasst uns anstoßen.

In einem solchen Augenblick ist es relativ leicht, dass neueste Spielzeugauto oder die letzte Ausgabe des lustigen Taschenbuches mit Donald vorne drauf abzustauben. Ein freundliches Lächeln aufgesetzt, welches das Unverständnis über die gute Botschaft überspielt und gleichzeitig ehrliche Anteilnahme an den Freuden der Eltern ausdrückt und los geht’s.

Zwanzig und mehr Jahre später und tief im Arbeitsalltag verankert nutzt einem diese Taktik freilich selten etwas. Aber eben doch.

Chefredakteur Christian Kornherr kam mit eben diesem Ausdruck ins Büro. Die Augen machten klar, dass der Kopf noch in einer ganz anderen Welt ist, das verschmitze Lächeln war ein Indikator dafür, dass er wahrscheinlich immer noch gerne in dieser Welt wäre. Diese Welt, das war der Salzburgring. Und was meinen Eltern die Beförderung oder das neue Auto waren, dass war dem Brötchengeber eine Spritztour in Jochen Rindts Original-Lotus. Die Geschichte dazu gibt es in der aktuellen Autorevue, die am Freitag, 24. Oktober, erscheint.

Autorevue Lotus 2 Bitte betteln Sie jetzt

Um es kurz zu machen: durch eine Aneinanderreihung glücklicher Umstände, netter Gespräche und perfekten Timings lernte Christian Kornherr Joe Willenpart kennen. Seines Zeichens passionierter Autosammler mit Schwerpunkt Lotus. Es sollte der Schwerpunkt sein, ist es doch der Teil der Garage, der den Großteil seiner Aktiva ausmacht. Weil Autos aber durch das Stehen nur kaputt gehen, bot sich Christian Kornherr in einem Akt völliger Selbstaufopferung an, den Lotus Nummer sechs zu fahren, also das Auto, mit dem Jochen Rindt 1969 seinen ersten Grand Prix in Watkins Glen gewann. Auch beim Monaco Grand Prix 1970 (siehe Video) griff Rindt auf jenes Auto zurück. Mehr Rennsport-Geschichte geht also nicht.

Christian Kornherr konnte sich, nicht frei von Ängsten (Ist das millionenteure Auto versichert?) und Selbstzweifeln (Bist du bei ähnlichen Gelegenheiten jemals fehlerfrei gefahren?) wie die Geschichte zeigt, einen Kindheitstraum erfüllen. So viel vorab: Unser Chefredakteur ist weder im Häfen, noch tief in der Kreide.

Was uns zurück zu meinen Kindheitserinnerungen bringt. Christian Kornherr steht in der Redaktion. Befreit von Ängsten und Selbstzweifeln und um eine Lebenserfahrung reicher, nach denen manch anderer Autoaficionado glücklich hätte sterben können. Grinsen. Beseelter Blick. JETZT UM ETWAS BITTEN.

Mehr Gehalt? Nein, das wäre zu viel des Guten. AHA! Mittagspause. Wir haben diesen fantastischen Italiener ums Eck (Fuchs & Schaden in der Gredlerstraße 4 im zweiten Bezirk) . Naja, eigentlich wird die Pizzeria von zwei Steirern geführt, die dir deine Pizza ganz nach Wunsch belegen. Und mit Liebe. Dafür brauchen sie aber viel Zeit. Also wenn, dann heute. Gedacht, getan, willige Kollegen mit eingepackt und für zwei Stunden verschwunden. Dem Chef würde es nie auffallen. Der grinst immer noch.

Mehr aus dem Web:

Grapefruit (gusto.at)

 

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