Lamborghini LM002

Lamborghini LM002 – Als die Steine fahren lernten

Ein Auto wie ein freier Fall. Hinauf oder hinunter.

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Schon lange vor dem Lamborghini Urus gab es ein Supersport-SUV der Italiener. Den LM002. Wir haben im Archiv gekramt und folgenden Beitrag von David Staretz zu diesem – nun – Auto gefunden. Lamborghini selbst ist das Auto übrigens keineswegs peinlich. Im Gegenteil Bei der Präsentation des Urus weißt der Hersteller sogar explizit auf den LM002 hin.

Denn: „Mit dem längst legendären Modell LM002 hatte Lamborghini das Superluxus-SUV-Segment begründet. Bei seiner Präsentation im Jahr 1986 war der LM002 ein absolut revolutionäres Fahrzeug.“ Schreibt zumindest die Presseabteilung von Lamborghini. Die Stückzahlen verschweigt Lamborghini. Wir nennen sie. 300 Stück waren es. Insgesamt. Nicht 1986.

Lamborghini LM002 2 Lamborghini LM002   Als die Steine fahren lernten

Hier nun der Beitrag von David Staretz aus der Autorevue 10/1988:

Diese amorphe Versteinerung eines Lamborghini Countach wurde in Österreich bisher dreimal entdeckt: in Wien, in Linz – und der dritte LM002 gehört Gerhard Berger. Seiner hat aber gerade ein Loch im Tank.

Die Zahlen, mit denen das Niedagewesene voll Macht und Wucht von seiner Häßlichkeit ablenkt:
12 Zylinder!
450 PS!
3,5 Tonnen Bruttogewicht!
0-100 km/h in 8,5 Sekunden!
Spitze über 200 km/h!
5 Meter im freien Fall (bei Helikopterabwurf)!
325/65 VR17 von Pirelli!
290 Liter Tankinhalt!
20-40 Liter auf 100 km!
1.800.000 Schilling!

Der Rahmen ist eine sehr aufwendige und enorm steife Konstruktion, die Karosserie – aus Leichtmetall – und Kunststoffplatten geklebt und genietet – dient bloß zur oberflächlichen Verkleidung des eigentlichen Fahrzeugs. Nur mehr das Balkongeländer im Heck lässt die Verästelung tragender Elemente ahnen.

Der Zwölfzylindermotor, vollkommen identisch mit dem des Countach, reißt den schweren Käfig umstandslos mit. Ein aufregendes Gestürm herrscht ums Auto, Motor und Fahrtwind rauschen um die Wette.

Angesichts von Tempo 200 muss man schließlich bedenken, dass der LM 002 ohne weiteres jeden Windkanal verstopfen würde und das er immer einige Tonnen Luft vor sich herschiebt wie pappigen Schnee.

Da kuschelst du dich tief in die enge Mulde hinterm Lenkrad und stemmst deinen Ellbogen gegen den dicken Lederwulst der Mittelkonsole, die in Wirklichkeit ein mächtiger Metallträger ist, der sich wie ein Kranarm durch den Wagen spannt. Mit der Zeit geht der auf, dass es keine rein fiskalische Lösung war, den Wagen als Lastwagen anzumelden. Weit unter dir: der Verkehr.

Als Kippgrenze im Gelände gibt Lamborghini zwei Werte an: der Seite nach 70 Prozent, der Länge nach 160 Prozent. Und wenn man die angegebene Steigfähigkeit interpretiert, so bedeutet das: Auf einer Länge von zehn Metern steigt das Gelände um zwölf Meter an, erst da bekommt der LM 002 rutschige Füße. Falls dem Fahrer nicht schon früher die Hände vom Lenkrad geglitten sind. Importiert wird das Fahrzeug übrigens von der Firma de Cilia in Wolfsberg, Kärnten.

 

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