Modellvorstellung Toyota Prius III

Strom der Zeit
Toyota plant für die Massen, jetzt müssen die Massen nur noch mit Toyota planen.

Autorevue 07/2009   Autor: Christian Seidel   Fotos: Werk

Shortcut

Was wir mögen

Rein elektrisches Fahren. Und die CVT-Automatik. Passt in keinem Auto so gut wie im Prius.

Was uns überrascht

Den Übergang von Elektro- zu Benzin­antrieb spürt man nicht. Übrigens eine österreichische Erfindung. Gerald Killmann, der Chefentwickler des Antriebsstranges, ist Steirer.

Was uns fehlt

Ein leicht zu bedienendes Display.

Die Konkurrenz

Honda Insight imagemäßig und der neue Polo in Sachen Verbrauch.

Daten

Toyota Prius III 1,5 (Aut.): € 26.880,– 5 Türen, 5 Plätze, Kofferraum 445–1120 l. Länge 446 cm, 1420 kg. Frontantrieb, 4-Zyl.-16V-Motor sowie Drehstrom-Synchronmotor. 9 Airbags, Klima, BAS, ESP, FB. 1798 ccm, 73 kW (99 PS), 142 Nm. sowie E-Motor 60 kW (82 PS), 207 Nm. Systemleistung 100 kW (136 PS), 400 Nm. 180 km/h, 0–100 in 10,4 sec, CO2 89 g/km. MVEG-Verbrauch: 3,9/3,7/3,9 (E).

Der große Wow-Effekt der ersten Generationen ist verschwunden – man hat sich an den Hybridantrieb gewöhnt. Und das ist, was Toyota mit den beiden Vorgängern vorhatte. Mission accomplished. Für die dritte Generation hat der Konzern andere Pläne: Massenproduktion statt Nischenauto. Weil Kunden aber leicht verschreckt werden können, hat man zwei Dinge getan. Erstens Feinarbeit statt Innovation. Der Prius wurde an allen Ecken und Enden überarbeitet, große Techniksprünge wie einen Plug-In Hybrid oder einen Lithium-Ionen-Akku für eine größere Reichweite im rein elektrischen Betrieb sucht man daher vergebens – sie sollen aber noch für diese Generation kommen. Und zum Zweiten hat man den Preis gesenkt.

In Österreich gibt es den neuen Prius ab 26.340 Euro. Das sind immerhin 358 Euro weniger, als man für den Vorgänger bezahlt hat. Wohl auch eine Reaktion auf die neueste Konkurrenz aus dem Hause Honda. 900 Kunden sollen 2010, im ersten vollen Verkaufsjahr, geködert werden. 650 noch in diesem Jahr (Verkaufsstart Ende Juni).

Schön auch: Man bekommt jetzt mehr für sein Geld. Der 1,5-Liter-Motor wurde durch einen komplett neu entwickelten 1,8-Liter-Benziner ersetzt. Der dreht bei höheren Geschwindigkeiten nicht nur niedriger (bei Tempo 120 sind es 2180 Touren statt bisher 2470), er bietet mit 99 statt der bisher 78 PS auch mehr Power. Verbrauchssenkend soll die Abgasrückführung wirken. Bei einem Kaltstart hilft sie, den Motor schneller auf Betriebstemperatur zu bringen, ist
es heiß, werden die Abgase von 880 Grad auf 150 Grad gekühlt und in geringen Mengen wieder in die Brennkammern geleitet. Die Einzelteile wiegen auch weniger. Die mechanische Wasserpumpe wurde durch eine elektrische ersetzt, der Elektromotor ist um 36 Prozent geschrumpft, das Getriebe wiegt 20 Kilogramm weniger, und auch die Batterie hat bei mehr Leistung (jetzt 27 statt 25 kW) weniger Gewicht. Erstaunlich: Der Neue ist trotzdem um 70 Kilogramm schwerer als sein Vorgänger, was Toyota mit seinem überarbeiteten Rahmen für ein gutes Crashtestergebnis begründet.

An der eigentlichen Technik hat sich freilich nichts geändert. Bis Tempo 50 könnte man rein elektrisch fahren, wenn man nicht zu stark beschleunigt, sonst springt der Benzinmotor an. Bei höheren Geschwindigkeiten dient der 60-kW-Elektromotor nur noch zur Unterstützung.

Wirklich Einfluss darauf hat der Fahrer nicht. Zwar kann man per Knopfdruck die Modi „EV“ für rein elektrischen Betrieb, „Eco“ und „Power“ wählen, die ändern aber nichts am System, sondern nur die Sensibilität des Gaspedals. Drückt man über 49 km/h den EV-Knopf, bekommt man nur eine Fehlermeldung.

Was man gerade verbraucht, einspart oder regeneriert, darüber gibt ein fünf Diagramme schweres System aus Balken-Grafiken und Energiefluss-Darstellungen beredt Auskunft. Und weil das eher ablenkt, gibt es serienmäßig ein Head-up-Display, das einem wichtige Informationen wie Geschwindigkeit und Navigationsbefehle in ein kleines Fenster an der Windschutzscheibe projiziert. Ein Solardach gibt es nur gegen Aufpreis (1.020 Euro). Steht das Auto in der Sonne, wird automatisch eine Lüftung betrieben. Per Knopf im Schlüssel kann man bis zu drei Minuten vor Abfahrt die Klimaanlage eingeschalten, ohne Tank oder Batterie zu belasten.

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