Ein Lotus mit Automatikgetriebe. Noch mal: ein Lotus mit Automatikgetriebe. Dürfen die denn das?
Ja, sie dürfen.
Oder besser: Sie müssen.
Einerseits wiederholt sich ohnehin nur die Geschichte, da auch der Éclat/Excel schon in den 70ern mit Automatik erhältlich war, andererseits geht es für Lotus um das Erschließen wichtiger Märkte. Besonders in Amerika, wo der Evora seit Sommer letzten Jahres verkauft wird, sowie in Asien sind Automatikversionen einfach Pflicht. Der neue Chefdirigent Dany Bahar hat schließlich Großes mit der Marke vor. Gleich fünf neue Modelle sollen bis 2015 gebracht werden – der Evora, die Vorhut gewissermaßen, bleibt im Programm.

IPS steht für „Intelligent Precision Shift“, das Getriebe kommt – wie auch der 3,5-V6-Motor – von Toyota. „Wir beziehen aber nur das Metall von Toyota“, wie man bei Lotus betont, „alle Steuerungen wurden bei uns im Haus entwickelt.“ So hat man dem Getriebe, das sonst beispielsweise im Camry seinen Dienst versieht, seine Geschmeidigkeit digital aberzogen und es in Richtung Sportlichkeit gebürstet. Und das auf sympathische, weil für einen Sportwagen stimmige Art und Weise. Schaltvorgänge werden nicht glattgebügelt, sondern sind gewollt fühlbar. Der Sportmodus – Ehrensache bei Lotus – ist mit dem ESP vernetzt und lässt auch kleinere Driftwinkel zu, dazu gibt’s dank der g-Sensorik automatisches Zurückschalten beim harten Anbremsen, garniert mit einer Prise Zwischengas. Wem das nicht reicht, der kann jederzeit über mitdrehende Paddles am Lenkrad ins Schaltgeschehen eingreifen (und auch am Begrenzer geigen, ohne von der Steuerung bevormundet zu werden).
Der Rest ist einfach Evora geblieben: Die 1436 kg Gewicht im Datenblatt stehen völlig konträr zu den Fahreindrücken: Alles spielt sich hier in einer Leichtfüßigkeit ab, die man anderswo selten erleben wird. Die Lenkung? Exakt am Punkt. Hinzu kommen eine kräftig zupackende Bremsanlage von AP-Racing und ein Fahrwerk, dem Komfort nicht fremd ist. Kein Vergleich zur Härte der Elise. Nur der Motor, ein braver, unauffälliger Dreher, der erst ab 4000 Touren zu seiner Leistung findet, könnte ein wenig mehr Biss vertragen.