Modellvorstellung

Die Härten des Wohlstandes
Maximale Erlebnis-Verdichtung in einem hinreißend sinnbefreiten Cabrio.

  Autor: Christian Kornherr   Fotos:

Shortcut

Was wir mögen

Den Preis. 294.880 Euro, das ist eine Summe von hoher Würde für etwas so Unpraktisches wie ein Cabrio.

Was uns überrascht

Dass gar nicht so wenige Bentley-­Besitzer ihr Auto so lange stehen ­lassen, bis die Batterie leer ist.

Was uns fehlt

Die Erfahrung, ob sich bei 300 offen tatsächlich noch ein gepflegtes ­Gespräch ausgeht. Werden wir aber nachholen, versprochen.

Die Konkurrenz

Bentley Continental Speed Conver­tible. Vielleicht auch: Aston Martin DBS Volante.

Daten

Bentley Continental Supersports Convertibel: € 294.880,– 2 Türen, 4 Plätze, Länge 480 cm, 2395 kg Allradantrieb W12-Biturbomotor, 5998 ccm, 463 kW (630 PS), 800 Nm 325 km/h, 0–100 in 4,1 sec, CO2 388 g/km MVEG-Verbrauch: 25,5/11,6/16,7 (S)

Beim Losfahren wird schnell klar, dass der Supersports – Name hin, Name her – keinesfalls darauf aus ist, seine Kundschaft in irgendeiner Weise zu züchtigen. Feinarbeit an der Luftfederung, dem Ansprechverhalten des W12-Zylinders, verkürzte Schaltzeiten der Sechsgangautomatik und eine leicht nach hinten verlegte Antriebsverteilung (60:40 statt 50:50) machen zwar das Handling erlebbarer, ja, es geht sich sogar ein Hauch von Sportlichkeit aus, aber am Ende bleibt halt doch immer im Hinterkopf, dass hier gerade 2,4 Tonnen in Bewegung sind. Denn der Alltag ist die wahre Stärke des Continental, so bleibt es auch beim Supersports, der in der Baureihe quasi als Erlebnis-Verdichter auftritt. Auch sein Wesen liegt im Dahinschlurfen mit schlummernder Antriebsmacht, die nur auf den Weckruf vom Gasfuß wartet.

Dementsprechend sind auch der Leistungszuwachs (630 PS und 800 Nm) und die serienmäßigen Karbonbremsen (die leistungsfähigsten weltweit, sagt der Techniker) zu verstehen: braucht man eher im Country-Club und beim Put-Plauscherl als im wirklichen Leben.

Serienmäßig lässt sich der Supersports übrigens mit dem Bio-Sprit E85 fahren, was dem brasilianischen Zuckerbaron was bringen mag und einige Bentley-Manager etwas ruhiger schlafen lässt. Viel wichtiger ist jedoch, dass nun ein optionaler Steckdosenanschluss erhältlich ist. Damit wird allerdings nicht ein Hybridantrieb geladen, sondern schlicht die ­Batterie. Es hat sich nämlich ­herausgestellt, dass eine Vielzahl der Bentleys offenbar so selten bewegt wird, dass sie im Fall des Falles stromlos dastehen. Was für eine Schande.