Fahrbericht Mitsubishi Lancer Ralliart

Zivilcourage
Intensiv Auto fahren lautet die Kern-botschaft, aber wir lassen uns möglichst wenig anmerken.

Autorevue 2/2010   Autor: Rudolf Skarics   Fotografie: Andreas Riedmann

Shortcut

Was wir mögen

Regelsysteme aus – und Auto fahren wie in den allerbesten Zeiten.

Was uns überrascht

Am Ende war er dann doch viel sparsamer als angenommen.

Was uns fehlt

Die Sitzposition ist fürs Heizen in leicht vorgespannter Körperhaltung sehr passend. Für die lange Etappe wünscht man sich ein längs verstellbares Lenkrad.

Die Konkurrenz

Schade: Subaru hat die schwächere Version des WRX STi aus dem Österreich-Programm genommen.

Daten

Mitsubishi Lancer Ralliart: € 40.590,– 4/5 Türen, 5 Plätze, Koffer. ab 344–1394 l Länge 458 cm (4-t. 457 cm), ab 1230 kg Allradantrieb, 4-Zyl.-Motoren 9 Airbags, BAS, ESP, FB, Klima. Instyle: +Leder. 1998 ccm, 177 kW (240 PS), 343 Nm 220 km/h, 0–100 in 7,1 sec, CO2 243 g/km MVEG-Verbrauch: 13,9/8,1/10,2 (S)

Es gibt da einerseits das ewige Lokalderby der wilden Sportgeräte, nämlich Mitsubishi Lancer Evo versus Subaru WRX STi, die für den Alltag aber doch ein wenig überhitzt erscheinen. Und es gibt schon lange einen etwas entschärften Subaru, sozusagen eine Version für alle Tage. Während Subaru nun den „kleinen“ WRX aus dem Programm genommen hat, rüstet Mitsubishi auf bzw. ab: Der Ralliart ist mit 240 PS so was wie die Zivilversion des Evo (295 PS).
Mit 55 PS weniger ist man gleich schnell am Ziel, verbraucht aber deutlich weniger Benzin. Verbrauch ist ja ein beliebtes Thema beim Evo, weil er keinen besonders großen Tank hat und man deshalb die Kassadamen an den Tankstellen recht oft sieht. Wir schafften bei tüchtigem Gasgeben jenseits des Walserbergs einen Schnitt von 11,4 Liter auf 100 km (Evo 15,4). Das ist der glasklare Unterschied. Du hast ein mächtig starkes Gerät, mit dem du dich ganz unauffällig benehmen kannst – in jeder Hinsicht. Das bisserl Auspuff, das bisserl Hutzerl auf dem Hauberl ist nur für Insider ein Hinweis auf die Potenz.
Alles, was elektronisch die Fahrdynamik regelt, lässt sich wegschalten, so steht auch der sorgsam vermessenen Pirouette im Tiefschnee nichts mehr im Wege. Das ist wie ein mächtiger Befreiungsschlag, wenn du praktisch ohne zu lenken den Wagen mit dem Hintern ums Eck drückst. Die ganze Generation Golf weiß ja gar nicht mehr, wie das ist, wenn’s im Grenzbereich nicht zu pumpern und rattern anfängt.
Zum dezenten Auftreten des Ralliart gehört dann wohl auch, dass man sich das Thema Sounddesign vollkommen erspart hat. Der Motor bringt lediglich erhöhte maschinentechnische Reibgeräusche zustande, wenn man ihn bis
an seine Grenzen fordert. Da kommt keine Romantik auf, aus diesem emotionalen Eck ist nichts zu holen. Es kommt aufs Fahren an bei diesem Auto, und zwar nur aufs Fahren. Der Rest: Fünf Türen, fünf Plätze, wir bleiben brav und vor allem unauffällig. Noch einmal dezenter: der Viertürer.

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