Fahrbericht Chevrolet Aveo 1,2 LT 86 PS

Wir fahren ins Tal
Wir verzeihen dem Aveo, bleiben meist in der Stadt und üben uns in Demut auf der rechten Spur.

Shortcut

Was wir mögen

Das Preis-Leistungsverhältnis. Allerdings nicht das Preis-Motorleistungsverhältnis.

Was uns überrascht

Die Verarbeitung und die Tatsache, dass einem nichts abgeht. Wie genau man sich vor der Anschaffung seine Autobahnkilometer durchrechnen ­sollte.

Was uns fehlt

30 PS und 50 Newtonmeter.

Die Konkurrenz

Fühlt sich meist billiger an und/oder ist teurer. Was auf Kia Rio, Hyundai i20 und Dacia Sandero allerdings nicht zutrifft.

Daten

Chevrolet Aveo 1,2 LT 86 PS: € 13.290,– 5 Türen, 5 Plätze, Kofferraum 290-653 l Länge 404 cm, ab 1070 kg Frontantrieb 6 Airbags, ESP, Klima, FB, Xenon 4-Zyl.-Benziner 63 kW (86 PS), 115 Nm 171 km/h, 0–100 in 13,4 sec, CO2 129 g/km MVEG-Verbrauch: 7,1/4,6/5,5 (E) AR-Testverbrauch: 7,0 l

Was wir erwartet hatten, wissen wir selber nicht. Auf jeden Fall schaffte es der Chevrolet Aveo, uns gleich in beide Richtungen zu überraschen. Da steht er. Fesches Rot, vier Türen, fünf Sitze, Klimaanlage, kritikfreie Sitze und überhaupt eine Ausstattung, für die man sich nicht genieren muss.

Um 13.290 Euro – so viel kostet der hier getestete Aveo mit 1,2-Liter-Benzinmotor – gab es ein Lenkrad (Fernbedienung inklusive), das Audio-System spielt MP3-CDs ab, wenn man nicht gleich den iPod anschließen will, hier und da verstecken sich Ablage­fächer (zum Beispiel ein Extra­fach für die Sonnenbrille an der Stelle, wo sonst der Haltegriff für den Fahrer ist), und alle Fenster lassen sich per Knopfdruck heben und senken – wenn auch nicht automatisch. Aber wir wollen nicht unverschämt sein.

Das Interieur ist gelungen. Für diese Preisklasse wirkt es sehr wertig, und bei den ­Instrumenten hat Chevrolet mal etwas Neues versucht und ihnen einen Motorrad-Look verpasst. Gut so.

Beim Außendesign muss man erste Abstriche machen. Er eckt nicht an. Aber er fällt auch nicht auf. Nicht einmal in Rot. Man sieht hin und vergisst ihn sofort wieder. Aber manch einer soll diese Unauffälligkeit ja mögen. Unbemerkt gleiten wir durch den Stadtverkehr. Dank kleinem Motor und vergleichsweise geringem Gewicht hält sich der Verbrauch in Grenzen, auch ohne Start-Stopp-System. Wir sind zufrieden.

Wäre da nicht die Autobahn – die Kehrseite der Preis-Medaille. Dass bei 86 PS und 115 Newtonmeter nicht der Hammer fällt, ist klar, aber dass sie ein Auto keine Steigung raufziehen können, war uns neu. Für diese Erkenntnis brauchte es den Aveo.

Die zugegeben optimistische Höchstgeschwindigkeit von 171 Stundenkilometern lässt sich theoretisch erreichen, was dann auch für ein saftiges Strafmandat reicht. Aber nur auf ebener Strecke und ohne Gegenwind, Gepäck oder Beifahrer (dafür mit Radarfalle). Ansonsten muss man mit ansehen, wie der Kleinwagen oder Youngtimer, den man gerade überholt hat, wieder rechts an einem vorbeizieht, weil man eine Steigung ignoriert hat. Da hilft auch kein Runterschalten in den vierten Gang mehr. Womit sich dann auch der Verbrauchsvorteil erledigt hätte. 

Cover Autorevue 10/2011