Sie sind sich Ihrer Persönlichkeit bewusst. Ihr Job macht Ihnen Spaß und treibt Sie an. Sie haben Dinge vorangebracht. Gleichzeitig erweitert sich Ihr Horizont mit jedem Schritt, den Sie vorwärts gehen. Das ist es, was wir meinen, wenn wir davon sprechen, ‚Grenzen zu überschreiten‘.“
So weit Seat bei dem Versuch, die Sinne des potenziellen Käufers auf den Exeo ST einzustimmen. Es mag zwar alles wahr sein, was da steht, trotzdem wäre angesichts der Tatsache, dass der Exeo und seine Kombivariante ST in Karosserie, Fahrwerk und Antriebsstrang mit dem alten Audi A4 (als Grundkonzept von 2000 bis 2008) im Wesentlichen identisch sind, etwas mehr Zurückhaltung angebracht, denken wir.
Das gilt für Marketing und Werbung. Das Auto selbst beweist indessen, dass der Fortschritt ein seltsames Ding ist. Denn einerseits gab es Auffrischungen, Anpassungen und Modernisierungen. Der Motor ist kein Pumpe-Düse-Nagler mehr, sondern ein Common Rail und entsprechend zivilisiert. Andererseits ist der Exeo eben doch ein sozusagen alter Hut. Hat man, und das ist das Seltsame mit dem Fortschritt, kein anderes Auto zum direkten Vergleich bei sich, würde sich schwer sagen lassen, ob dieses Auto jetzt neu oder doch nicht ganz so neu ist.
Was sich hingegen mit Sicherheit sagen lässt: Es ist angesichts des Anspruchs der Spanier, emotionsauslösende Autos zu bauen, geradezu aufreizend öde. Ein Familienkombi darf öde sein, aber dann sollte man wenigstens nicht noch drauf herumreiten und ein Schockrot mit dem Namen Emotion-Rot anbieten (nennt es Schamrot, das kann man auch lispeln).
Abgesehen davon ist der Exeo ST natürlich ein super Geschäft: Um runde 30.000 Euro gibt’s ein gut ausgestattetes Auto, garantiert ohne Kinderkrankheiten, in gefälliger Form und mit bekannter Performance. Man muss die Ausstattungslinie Sport nicht wählen, dann hat man’s beim Fahren nicht ganz so audihart. Style kostet und kann gleich viel und verzichtet aufs Sportfahrwerk.
Es ist ein angenehmes Dasein mit dem Exeo ST. Der Laderaum ist dem Segment angemessen und vor allem dann praktisch, wenn man – wie meistens – nicht alles vollstopft, weil’s allerlei Haken und Gummibänder gibt. Sitzkomfort: deutsch, also knackig. Fahren geschmeidig, Schaltung sehr flutschig, leider aber auch Pflicht, es gibt keine Automatik. Bilanz: Kann man nehmen (nur nicht in Rot!).