Fahrbericht Renault Mégane CC

Selbes Lied, neue Strophe
Die Dachfalter werden immer raffinierter: Jetzt stülpen sie uns Sonnen-Glaskuppeln über die Köpfe und verzaubern unseren Blick mit Designer-Feenstaub.

Shortcut

Was wir mögen

Das viele Licht, das durch das Glasdach einströmt. Den perfekt geleiteten Fahrtwind beim Offenfahren.

Was uns überrascht

Wie wirkungsvoll der Design-Zauber-Trick mit den Proportionen gelungen ist.

Was uns fehlt

Sonne, Wärme, blauer Himmel (aber für den vielen Regen heuer kann ­Renault ja nichts).

Die Konkurrenz

Beim Generationenwechsel der Hartdachfalter hat Renault die Nase vorne. Die Softtops vom Einser-BMW und vom Audi A3 liegen aber gut im Rennen.

Daten

Renault Mégane Coupé-Cabriolet 2 Türen, 4 Plätze, Kofferraum 211-417 l
Länge 449 cm, ab 1430-1625 kg
Frontantrieb, 4-Zyl.-Motoren
6 Airbags, BAS, ESP, Klima, FB
Mégane CC 1,6 110: € 25.990,–
4-Zyl.-16V-Benzinmotor
1598 ccm, 81 kW (110 PS), 151 Nm
190 km/h, 0–100 in 12,2 sec, CO2 175 g/km
MVEG-Verbrauch: 10,2/6,1/7,6 (E)
Mégane CC TCe 130: € 28.680,–
4-Zyl.-16V-Turbomotor
1397 ccm, 96 kW (130 PS), 190 Nm
200 km/h, 0–100 in 10,7 sec, CO2 169 g/km
MVEG-Verbrauch: 10,0/5,8/7,3 (E)
Mégane CC 2,0 140 CVT: € 30.710,–
4-Zyl.-16V-Benzinmotor
1997 ccm, 103 kW (140 PS), 195 Nm
195 km/h, 0–100 in 10,7 sec, CO2 169 g/km
MVEG-Verbrauch: 10,9/6,3/8,0 (E)
Mégane CC TCe 180: € 33.230,–
4-Zyl.-16V-Turbomotor
1998 ccm, 132 kW (180 PS), 300 Nm
225 km/h, 0–100 in 8,6 sec, CO2 188 g/km
MVEG-Verbrauch: 11,2/6,3/8,1 (E)
Mégane CC dCi 110: € 28.350,–
4-Zyl.-16V-CR-Turbodiesel
1461 ccm, 81 kW (110 PS), 240 Nm
190 km/h, 0–100 in 11,8 sec, CO2 133 g/km
MVEG-Verbrauch: 6,2/4,4/5,1 (D)
Mégane CC dCi 130: € 30.980,–
4-Zyl.-16V-CR-Turbodiesel
1870 ccm, 96 kW (130 PS), 300 Nm
205 km/h, 0–100 in 10,6 sec, CO2 149 g/km
MVEG-Verbrauch: 7,1/5,0/5,8 (D)
Mégane CC dCi 160: € 34.750,–
4-Zyl.-16V-CR-Turbodiesel
1995 ccm, 118 kW (160 PS), 380 Nm
215 km/h, 0–100 in 9,4 sec, CO2 175 g/km
MVEG-Verbrauch: 8,6/5,6/6,7 (D)
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Die Hitze ist aus dem Volk ­gewichen, der Kaufrausch abgeklungen. Während in den Nuller-Jahren das Roboter-Ballett die faltbaren Blech­dächer zum Heilsversprechen einer smarten neuen Cabriokultur machte, haben die knirschende Konsum-Mechanik und eine starke Gegenoffensive der Stoffdach-Fraktion die Absatzkurven der CC-Modelle ins Fallen gebracht. Wenn die Felle davonschwimmen, wird man freilich erfinderisch, und so stehen wir hier vor einem bemerkenswerten neuen Vertreter der Klipp-Klapp-Generation 2.0.
Die hatscherte Back-to-Front-Proportionierung, die sich praktisch zwingend aus der sperrigen Dachfracht im Heck ergibt, wurde von den Renault-Designern mit einem optischen Trick behoben: Sie zogen den oberen Rand der Motorhaube künstlich in einer zweiten, seitlichen Ebene in die Höhe und versteckten so den frühen Ansatz der Frontscheibe. Die tiefer in die Karosserie eingesunkene Dach-Kuppel erscheint dadurch besonders flach, sportlich und nach hinten versetzt, was vor allem dem geschlossenen Erscheinungsbild schmeichelt.

Die Heckklappe, unter der die Dachtrümmer ruhen, bleibt konzeptbedingt hoch und mächtig, nicht zuletzt, um die Ladekante niedrig zu halten. Das fällt einem allerdings erst beim Hantieren so richtig auf, wenn der ellenhohe Schrankdeckel aufspringt und sich ­keineswegs in einem Schwung wieder schließen lässt. Der Elektro-Motor, der den Deckel auf dem allerletzten Zentimeter ins Schloss saugt, hat aber schon etwas Luxuriöses, zumal für ein Cabrio der Kompaktklasse, dessen Einstiegspreis bei knapp 26.000 Euro liegt.
Das Dach des Ich-bin-zwei-Autos-Mégane ist aus Glas. Zwischen Front- und Heck-Scheibe erstreckt sich eine ­Sonneneinlass-Fläche von einem Quadratmeter, zehn Prozent mehr als beim Vorgänger, rechnet Renault vor, weil die Windschutzscheibe steiler und kürzer ist, was mehr Kopffreiheit und eine bessere Sicht ­erlaubt. Beschattet wird das Überkopf-Panorama durch ein manuelles Heckrollo. Von den 160 Kilo, die das Coupé-Cabriolet mehr als ein fünf­türiger Mégane wiegt, gehen übrigens 110 Kilo an die bei Karmann entwickelte und ­gebaute Dachkonstruktion (die Dachsparte des insolventen Zulieferers wurde mittlerweile von Magna übernommen), der Rest entfällt auf zusätzliche ­Karosserie-Versteifungen.

21 Sekunden braucht das Dach zum Öffnen und Schließen. Ein Schalter in der Mittelkonsole setzt das Ballett in Gang und kümmert sich auch um das vollständige Auf und Ab der Fenster. Fahrerseitig gibt’s in der Tür hinter den Einzel-Schaltern ein zentrales Fensterheber-Kommando fürs offene Autobahnfahren, oder wenn man sich etwas konzentrierter unterhalten will. Eine kleine Plexiglasscheibe, die zwischen den hinteren Kopfstützen sitzt, verhindert weitgehend einen Windrückstrom von hinten, montiert man das (optionale) große Klapp-Netz-Windschott über den Fondsitzen, herrscht offen überhaupt Windstille.

Der Innenraum ist geräumig, auch hinten findet man kommod Platz. Der Fahrersitz ist weiträumig längs und höhenverstellbar (weiter als bei anderen Fahrzeugen dieser Klasse), ein Entgegenkommen an die größenmäßige Vielfalt präsumtiver Fahrer. Im Kofferraum, auch wenn er vergleichsweise als beachtlich gepriesen wird, geht’s eher eng zu, vor allem, wenn das Dach offen ist und nur einen gerade einmal Bord-Trolley-schmalen Zugang offen lässt. 211 Liter nimmt der Mégane als Cabrio auf, als Coupé sind es immerhin 417 Liter.

Das Fahrwerk hat der CC von der Limousine übernommen (plus ein paar Verstärkungen), die elektrische Servolenkung ist neu und arbeitet mit einem viermal schnelleren Drehmomentsensor. Ange­boten werden vier Benzin-­Varianten zwischen 110 und 180 PS, zwei davon (TCe 130 und 180) haben einen Turbo mit variabler Ladergeometrie.

Bis auf den Zweiliter-Sauger mit stufenloser Automatik (CVT) kommen alle Motorisierungen mit manuellem Sechsgang-Getriebe. Auftritt im CC hat beim mittleren der drei Common-Rail-Diesel (110 bis 160 PS) das neue ­­Renault-Doppelkupplungs-­getriebe (optional). Ein Start/Stopp-System ist erst in Vor­bereitung, dafür kommt das Einstiegsmodell als Hi-Flex für Benzin/Ethanol-Betrieb.

Cover Autorevue 06/2010