Bevor die technischen Einzelheiten verhandelt werden, ist eine wichtige Sache klarzustellen: Der Plug-In-Prius ist noch gar nicht wirklich da. Marktstart ist erst Mitte nächsten Jahres. Leider.
Wir fuhren ein Vorproduktions-Versuchsauto, eines von sechshundert, die derzeit auf der Welt von Meinungsbildnern und Gesetzesmachern testgefahren werden. Auf diesem Weg will Toyota Information einholen, ob man die Bedürfnisse der Leute richtig eingeschätzt hat, ob die Technik auch grenzwertigen Echt-Anforderungen standhält und wo im Detail noch nachgearbeitet werden muss, um mit der Plug-In-Version eine neue Kerbe in die Steilwand von Toyotas erstrebter Best-Of-Qualität zu schlagen.
Was beim Plug-In anders ist als beim normalen Prius: Der Plug-In zapft Strom für seine Batterie direkt per Kabel – deshalb die Bezeichnung – aus dem Netz. Die Batterie, die unter dem Kofferraumboden liegt, hat eine Kapazität von 5,2 kW, sie ist damit größer und schwerer als die des normalen Prius, man erkennt das mit freiem Auge an der daumendicken Stufe, die der Kofferraumboden jetzt höher liegt als die Ladekante. Entsprechend fehlt hier ein Hauch Kofferraumvolumen, 403 Liter fasst der Plug-In bei aufrechten Rücksitzlehnen, der normale schafft im selben Zustand 445 Liter.
Ist die Batterie voll, ein Zustand der in 90 Minuten am Kabel (Haushaltsstrom) erreicht werden kann, fährt der Plug-In-Prius knapp 20 Kilometer rein elektrisch. Er tut das automatisch und selbstbestimmt. Der Fahrer kann den Elektromodus nicht von sich aus verlassen, um etwa auf der Autobahn, wo die hohen Geschwindigkeiten relativ viel Saft kosten, im Benzinbetrieb zu fahren und den Strom fürs Durchfahren von bewohntem Gebiet aufzusparen, wo Sauber- & Leisesein am meisten angebracht ist.
Wenn der Ladestand einen kritischen Punkt erreicht hat, schaltet sich der Benzinmotor zu, das geschieht mit einem kaum wahrnehmbaren Ruckeln und ist nicht lauter als die Wind- und Abrollgeräusche. Ab dann übernehmen zwei Sub-Batterien zusammen mit der Hauptbatterie die Stromspeisung für den Hybrid-Betrieb. Durch Rekuperation lässt sich aber nicht mehr ausreichend Strom generieren, um wieder nur per Strom zu fahren.
Es kann aber auch im reinen E-Betrieb vorkommen, dass sich der Benzinmotor zuschaltet, obwohl noch ausreichend Saft in der Batterie ist: wenn man besonders unwirsch und vielleicht sogar bergauf beschleunigt. Oder wenn man über 100 km/h fährt. Besinnt man sich eines Besseren und verringert den Druck, fällt der Verbrennungsmotor wieder in den Ruhezustand.
Die Werksangabe von 20 Kilometer Batteriereichweite ist ernst zu nehmen. Ob es im Einzelfall dann 18 oder 19,5 Kilometer sind, hängt freilich von der persönlichen Fahrweise ab. Weniger sind es auch bei einem größeren Stadt-Autobahnanteil nicht. Wie hoch der Gesamtverbrauch ist, hängt aber grundsätzlich davon ab, wo man wohnt und wo man hinmuss. Wenn zwischen zwei erreichbaren Steckdosen weniger als 20 Kilometer liegen, kann als Bestwert null erreicht werden. Liter Benzin wohlgemerkt, über den Stromverbrauch führt der Prius nicht Buch.
In meinem Fall ist der tägliche Weg länger. Und an drei Tagen versperrte mir daheim eine Baustelle den Zugang zu einer Lademöglichkeit. Das heißt, ich konnte nur 22 Prozent der Strecke elektrisch fahren (das kann man an einer Anzeige am Auto ablesen), der Rest wurde benzinbetrieben im Eco-Modus zurückgelegt. Das Ergebnis: 3,6 Liter/100 km auf einer Strecke von knapp insgesamt 350 Kilometern bei durchschnittlich 31 km/h. Aber wie gesagt, je nach individuellen Bedingungen kann da auch ein ganz anderer, besserer Wert stehen.
Über den Preis lässt sich wegen der zeitlichen Entfernung nichts Genaues sagen. Der Plug-In wird jedenfalls den normalen Prius nicht ersetzen. Er stellt eine weitere Spielvariante des Hybrid-Themas dar und wird wegen der größeren Batterien wohl preislich ein Stück über dem normalen Prius III liegen. Noch hat sich Toyota nicht auf die endgültige Batterie-Chemie festgelegt. Diese wird Auswirkungen auf den Preis und/oder auf die Reichweite haben (nur mehr, nicht weniger kann es werden, sagt Toyota). Und bis zum Marktstart wird man sich hoffentlich eine vernünftige Unterbringung für das dicke und ziemlich bockige Kabel überlegt haben.