Wenn man sich dem Kern eines Alltagsautos nähert, also dem Auto prinzipielle Eitelkeiten abräumt, eine etwas pummelige Statur gerne mag, weil sie beispielsweise auch zu vielen Österreichern bestens passt; wenn man weiters das Praktische am Auto schätzen gelernt hat, weil der Alltag sowieso die größere Herausforderung darstellt als sinnentleertes Beeindrucken fremder Verkehrsteilnehmer, dann wird man plötzlich im Kia Venga sitzen und sich fragen, warum er nicht schon immer da war.
Schwierig wird dann nur mehr das Einordnen, aber es muss ja auch nicht sein. Man fährt sowieso besser abseits der Schubladisierung, als leise Orientierungshilfe zum Einreihen ins soziale Gefüge bleibt die Länge des Venga: 4,07 Meter. Für die Kleinen ist er also einen Hauch zu groß, für die Kompakten etwas zu klein, für einen Van zu niedrig und für einen Kombi zu unkombig.
Soll aber nix Schlechteres passieren, als in ein Auto zu steigen, das Schubladen weniger mag als seine Passagiere: Der Venga gefällt sich und uns in der Rolle des Dienstboten, der sich und damit uns gut kleidet für jede Situation, der im Straßenverkehr ernst genommen wird, sich selbst aber nicht ernster nimmt als nötig, der genauso vollwertig auftritt, wie er auch ist. Der Preis bestätigt: Einstieg bei 15.990 Euro, unser Venga 1,6 CRDi Active Pro verlangt nach 21.990 Euro, seine Topausstattung reicht aber bis zu Rückfahrkamera, Parksensoren, Tempomat, Lederlenkrad und -schaltgriff, Alufelgen und Teilledersitzen, wobei man sich schon ein bisserl anstrengen muss, um die Lederbahnen vom benachbarten Kunstleder (seitlich an den Sitzen; die Sitzflächen sind mit Stoff bezogen) zu unterscheiden.
Der 1,6-l-Dieselmotor leistet 115 PS und 260 Nm, ein gutes Maß für den 1,4 Tonnen schweren Venga: Gemeinsam mit sechs Gängen bleibt der Eindruck eines agilen, munteren Triebwerkes, das mit dem serienmäßigen ecoDynamics-Paket beim Bremsen Energie rückgewinnt. Und beim Stehen den Motor abstellt, was jedoch während des Tests nicht immer der Fall war, wir tippen auf die frostigen Temperaturen als Verursacher.
Beim Motorgeräusch wurde schon weniger gefeilt: Es klingt ungefähr, als hätte man dem Sounddesigner das Auto während der Mittagspause weggenommen, also dieselig, aber in einer ungewohnten Tonart. Das fällt vor allem auf, weil das Geräusch immer präsent ist – und beim Beschleunigen ist es präsenter, was aber nicht heißt, dass der Venga laut wäre, sondern eher, dass wir verwöhnt sind.
Weniger aufs Verwöhnen als auf straffe, präzise Straßenlage ist das Fahrwerk ausgelegt: Kurze Stöße bleiben fühlbar, dafür ist die Seitenneigung in Kurven moderat. Eine Abstimmung, die dennoch nichts von der Langstreckentauglichkeit des Venga wegknabbert.
Die rührt von den Sitzen und überhaupt von den Platzverhältnissen: Selbst im Fond sitzen zwei Erwachsene bequem, sofern sie unter 1,90 Meter bleiben, der Kofferraum misst bei halb zurückgeschobener Fondsitzbank 570 Liter. Davon liegen 130 Liter unter dem doppelten Boden, der die Ladekante insofern kaschiert, als er das Bodenniveau auf ihre Höhe hebt. So ist auch der Ladeboden eben, wenn man die Rücksitzlehnen umklappt. Man kann den Zwischenboden aber auch ganz absenken und sich dann beim Einladen nicht über die Stufe beschweren, weil man sie ja quasi selbst gemacht hat.