Hyundai passt vor lauter Selbstvertrauen nicht mehr durch die Tür. Für ein Auto nach dem anderen erntete die Marke lobende, ja fast salbungsvolle Worte, die Exoten-Nische hat man verlassen und ist zur smarten Alternative avanciert. Also in etwa die Rolle, die früher mal die Japaner hatten. Und die Krise half bei der Steigerung der Marktanteile noch kräftig mit. Geheimrezept des Erfolgs war das Entwicklungszentrum in Deutschland, das für die jüngsten Erfolgsmodelle (i10, i20, i30) verantwortlich war.
Nicht so beim iX55. Das SUV oberhalb des Santa Fe schaukelt bereits seit 2006 als Veracruz über koreanische Bergpässe und seit 2007 über amerikanische Highways. Welche Möglichkeiten hat ein Entwicklungszentrum noch, wenn es ein schon fertiges Auto überarbeiten muss? Angeblich habe man „zahlreiche Modifikationen“ vorgenommen. Aber nicht an der Optik – der iX55 kann kaum verheimlichen, dass es ihn schon eine Weile gibt. Dach- und Fensterlinie sind nicht wirklich elegant, der Gesamtauftritt wirkt brachial statt sportlich. Vor allem die Scheinwerfer kommen im Vergleich zu den modernen Lichtschlitzen zu klobig rüber.
Innen wird es dann zeitgemäßer. Die Rücksitzbank kann unkompliziert, vor allem aber eben in den Boden gefaltet werden und macht in dieser Stellung deutlich, dass 1746 Liter Ladevolumen doch mehr sind, als man meist braucht. Dank intelligenter Hebelverteilung gelingt auch der Zugang zur dritten Sitzreihe leichter als bei manchem Konkurrenten. Optional gibt es eine Niveau-Regulierung für die Hinterachse. Ist das Auto tatsächlich voll besetzt oder beladen, wird das Heck ein wenig angehoben (gibt es auch im Santa Fe).
Der Fahrer wird sich, hat er dann Platz genommen, über keinen der Knöpfe wundern. Alles ist da, wo man es erwartet. Etwas komplizierter wird es erst in den bunten Niederungen der Unter-, Sub-, Dreh- und Seitenmenüs des Navigations- und Audiosystems.
Die Fahrt beginnt. Etwas später. Der Motor erbittet sich eine kurze Bedenksekunde. Überhaupt kommen, zumindest gefühlt, erstaunlich wenig der 240 Diesel-PS auch auf der Straße an. Aber SUVs sind ja ohnehin gemütlich. Und im ruhigen Geradeauslauf, am besten mit Tempomat, trumpft der iX55 dann auf. Unebenheiten werden glattgebügelt, Geräusche gibt es nur, wenn man das Radio zum Laufen gebracht hat. Perfekt. Aber Vorsicht in Kurven: Die komfortable Auslegung des Fahrwerks bringt den Koloss schnell zum Wanken.
Fahrbericht Hyundai iX55 3,0 CRDi Aut.
Alles erledigt. Marke auf Kurs gebracht, Image gestärkt. Und jetzt? Bringen wir halt ein fettes SUV.
Shortcut
Was wir mögen
2,5 Tonnen Anhängelast samt Allrad mit intelligenter Drehmoment-verteilung und Sperrfunktion. Nutzwert bis ins Unendliche.Was uns überrascht
Negativ: Wie wenig 240 Diesel-PS bewirken können und wie sehr ein Fahrwerk heutzutage noch schaukeln kann. Positiv: das Sitzkonzept.Was uns fehlt
Ein strafferes Fahrwerk, ein schlankeres Audiosystem.Die Konkurrenz
Land Rover Discovery und Mazda CX-7 (jetzt auch mit Diesel) passen am besten. Der Nissan Murano steht ähnlich groß und teuer da, hat aber keinen Dieselmotor im Angebot.Daten
Hyundai iX55: € 49.990,–
5 Türen, 5/7 Plätze, Kofferraum 598–1746 l
484 cm, ab 2227 kg
Allradantrieb, 6-Gang-Automatik
8 Airbags, ESP, Klima, FB.
V6-Zyl.-24V-DI-Turbodiesel, Common-Rail
2959 ccm, 176 kW (240 PS), 451 Nm
200 km/h, 0–100 in 10,4 sec, CO2 249 g/km
MVEG-Verbrauch: 12,4/7,6/9,4 (D)
Test: 11,1 l