Fahrbericht Renault Mégane RS

Entuschiglasiert
Die Uschi Glas unter den Fahrzeugen, die Kompakten, werden aufgespiced.

Shortcut

Was wir mögen

Gelbe Autos.

Was uns überrascht

Wie smart das TomTom-Navi integriert ist: Bedienung über eigens in der ­Mittelkonsole verbautes Tastenfeld. Günstig obendrein (519 Euro).

Was uns fehlt

Eine knackigere Schaltung, Power obenrum und ein jüngerer Beifahrer, der Sportfahrwerk und -Sitze mit mehr Würde erträgt.

Die Konkurrenz

VW Golf GTI kraft eines ­Namens wie Donnerhall. Messlatte. Gilt aber auch für Ford Focus. Und alle anderen gedopten Kompakten.

Daten

Mégane Renault Sport 2,0 T: € 30.990,– 3 Türen, 5 Plätze, Koffer. 377 l
Länge 430 cm, 1387 kg
8 Airbags, ESP, Klima, BAS, FB
Frontantrieb, 4-Zyl.-Motor
1998 ccm, 184 kW (250 PS), 340 Nm
245 km/h, 0–100 in 6,1 sec, CO2 195 g/km
MVEG-Verbrauch: 11,5/6,7/8,4 (E)
AR-Testverbrauch: 9,7 Liter

Urarge, schwarze Felgen samt roten Bremssätteln (Cup-Paket für 2.500 Euro Aufpreis). Selten hat man so geschaut vor dem Einsteigen. Wurde auch Zeit, der Kompaktklasse, bildlich gesprochen, mal einen ­Irokesenschnitt zu verpassen. Aufspice-Potenzial ist also da. Es gibt natürlich auch einen technischen Hintergrund, sonst würde es keinen Sinn ergeben. Die vordere Spurweite wurde um 48 Millimeter verbreitert, um den Mégane RS (steht für Renault Sport) satt auf der Straße liegen zu lassen. Das funktioniert.

Die rote ­Brembo-Bremsanlage beißt vorne in innenbelüftete Bremsscheiben mit 340 Millimeter Durchmesser (hinten 290 Millimeter, aber nicht innenbelüftet). Der Renault bremst, als würde man ausschließlich den linken Fuß dafür verwenden. Ein Gefühl von Sicherheit kommt auf. Zumal besagtes Cup-Paket neben einem ­här­teren Fahrwerk auch ein mechanisches Sperrdifferen­zial mitbringt. Dreht das kur­ven­­innere Rad durch, werden bis zu 35 Prozent der überschüssigen Kraft umgeleitet.

Keinen technischen Hintergrund, dafür einen erhöhten Coolness-Faktor gibt es für das Exterieur und die kompromisslose Farbwahl. Außen donnern die angesprochenen 18-Zöller, der große Lufteinlass und das Endrohr den Mégane auf, innen zieht sich das peppige Gelb durch das gesamte Fahrzeug. In die Polsterung sind gelbe Fäden eingewirkt, der Drehzahlmesser ist gelb hinterlegt, die Gurte sind gelb. Alles sehr erfrischend.

Ein Lump, wer dieses Auto jetzt zur Biene Maja verniedlichen wollte. Die Sportsitze ­nageln einen gnadenlos und ohne jede Seitenneigung hinter das Lenkrad – die Neigungsgruppe „Jungredakteure“ verkraftete dennoch recht lange Autobahnetappen durch Deutschland. Mehr oder weniger klaglos.

Hier sollte man den ­Mégane RS nicht überfordern. Bis Tempo 150, also in Wahrheit bis zur absoluten, maximalen Obergrenze in Österreich (wenn grad keiner schaut), bläst der Renault gnadenlos zum großen Halali. ­Sogar aus dem Drehzahlkeller. Da ist er nicht wählerisch. Erst einmal bei Tempo 150 angekommen, gibt er sich im Vergleich zum vorangegangenen Beschleunigungswahnsinn recht schaumgebremst. Dies freilich auf hohem Niveau. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h erarbeitet sich der RS auch gegen Wind und Steigungen.

Cover Autorevue 06/2010