Fahrbericht Audi A3 1,8 TFSI Cabrio

Der Stoff, aus dem der Himmel ist
Die Rückbesinnung auf Zeitloses lässt die Proportionen intakt (und das Wetter draußen, wenn nötig).

Autorevue 04/2008   Autor: Martin Strubreiter   Fotografie: Andreas Riedmann

Shortcut

Was wir mögen

Offenfahren ohne sehr üppiges Heck. Das Geräusch auf Stoff prasselnden Regens. Offenfahren, wenn’s nicht regnet.

Was uns überrascht

Die Alltagstauglichkeit mit vier Sitzen, hinten klappbar. Wie saftig ein „kleinster Benziner“ loslegen kann.

Was uns fehlt

Die Konsequenz, das Windschott wegzuschmeißen. Offenfahren ohne Fahrtwind ist irgendwie steril.

Die Konkurrenz

BMW Einser Cabrio. Alle anderen Kompakt-Cabrios auch, trotz massiven Blechfaltdachaufkommens.

Daten

A3 Cabrio 1,8 TFSI Attraction: € 32.560,– 2 Türen, 2 Plätze, Kofferraum 260 l Länge 424 cm, 1425 kg, 4 AB, Klima, FB. 4-Zyl.-DI-Turbomotor, Frontantrieb, 1798 ccm, 118 kW (160 PS), 250 Nm, 218 km/h, 0–100: 8,2 sec, CO2 159 g/km, MVEG-Verbrauch: 9,0/5,6/6,8 (E), Test: 8,8

Gelungene Evolution schaut ja nicht so aus, dass nachher einer im Straßengraben der Automobilgeschichte liegt und röchelt. Im Idealfall schöpft eine alte Idee durchs Auftauchen neuer Ansätze wieder Kraft, um zurückzufinden ins Leben und als Maßstab aufzuzeigen, den man sich gerne vors Haus stellt.

Zweierlei davon ist beim Audi A3 1,8 TFSI Cabrio zu sehen: Stoffdach. Und Turbo-Benziner mit Direkteinspritzung, saftige Trotzreaktion auf den Turbodiesel an sich. Der 1,8 TFSI ist der schwächste Benziner im A3 Cabrio, was angesichts der gebotenen 160 PS schrullig klingt, und angesichts gepflegten Offenfahrens mehr als ausreichend. Die Praxis bestätigt: Die 250 Nm des Turbo-Direkteinspritzers können von 1500 bis 4200 U/min abgeschöpft werden, damit geht sich Sportliches mühelos in allen Lebenslagen aus, ohne am Auspuffende irgendwie halbstark zu klingen. Selbst bei Autobahntempo ist der Antritt freudig, das Drehmoment greift für Dieselverwöhnte überraschend tief, um mit langem Atem nach oben zu führen. Sechs Gänge sind selbstverständlich, damit lässt der feine Motor nur ganz  Eilige zum 2,0 TFSI greifen, der 200 PS vorgibt und 3.300 Euro mehr kostet.

Unser A3 1,8 TFSI Cabrio parkt bei 35.150,– Euro, womit die Ambitionen abgesteckt sind: Mitzumischen bei den feinen Kompakten, wo sonst eher nur der Einser BMW ums Eck biegt. VW Eos, Opel Astra, Peugeot 307 sind greifbarer eingepreist. Und markieren mit ihren Blech-Faltdächern eine andere Glaubensrichtung, die eher auf subjektive Unverwundbarkeit zielt und dafür gerne die Proportionen am Heck ein wenig ausufern lässt.

Bedenken, das A3 Cabrio könnte bei extremen Wetterlagen dünnhäutig werden, sind allerdings unbegründet: Drei Lagen Futter puffern winterliche Temperaturen wirkungs-voll ab, echte Vorteile bieten Blechdach-CCs nur gegen Taschenmesser-Attacken. Das A3 Cabrio öffnet und schließt in neun Sekunden per Knopfdruck, sofern man das vollautomatische Akustik-Verdeck um 968 Euro bestellt hat (andernfalls muss händisch entriegelt werden, bevor die Elektromotoren eingreifen, und eine Schicht Isolationsmatte entfällt).

Der Kofferraum bleibt dabei vollständig nutzbar, macht 260 Liter, kein ehrenrühriger Wert in der Kompaktklasse. Fein und dienstbar sind auch die umklappbaren Rücksitzlehnen, bei Cabrios ein fast ausgestorbenes Feature im Dienste der Alltagstauglichkeit – so stehen bis zu 674 l Kofferraum bereit.

Die weiteren Talente: Die Überrollbügel tarnen sich als extended Kopfstützen und sind somit immer wachsam, die Kopfstützen selbst sind groß gewachsenen Fondpassagieren zu niedrig, weshalb sie im Ernstfall mit den Bügeln kollidieren. Im Fond gibt’s echte Sitze, auf die man sich gerne setzt, und echten Fahrtwind, den man mögen muss. Das zurückgeklappte Verdeck ist übrigens seine eigene Persenning, damit entfällt endgültig das Drüberknöpfeln fummeliger Abdeckungen (und CCs haben wieder ein Argument weniger).

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