Fahrbericht Porsche Cayenne Diesel

D-Day
Ungeheuerlicher Kulturschock oder notwendige Portfolio-Erweiterung? Seltsam egal, wenn man erst einmal drinnen sitzt.

Autorevue 4/2009   Autor: Christian Kornherr   Fotografie: Andreas Riedmann

Shortcut

Was wir mögen

Deckt auch die fortgeschrittensten Alltagsbedürfnisse ab, ohne dass man gleich das ganz schlechte ­Umweltgewissen haben muss.

Was uns überrascht

Dass man – wenn schon, denn schon – nicht auch gleich einen V8-TDI danebenstellt.

Was uns fehlt

Irgendein kleiner Hinweis am Blech, Diesel ist echt nix Ehrenrühriges, liebe Porsches.

Die Konkurrenz

Die deutschen Diesel-SUV, wegen der sportlichen Ausrichtung aber eher BMW als Mercedes.

Daten

Porsche Cayenne Diesel: € 69.780,- 5 Türen, 5 Plätze, Kofferraum 540–1770 l 480 cm, 2240 kg. 8 Airbags, ESP, BAS, Klima, Leder, FB. V6-Zyl.-Commonrail-Turbodiesel; Allradantrieb. 2967 ccm, 176 kW (240 PS), 550 Nm. 214 km/h, 0–100 in 8,3 sec, CO2 244 g/km. MVEG-Verbrauch 11,6/7,9/9,3 (D), Testverbrauch 9,1 l.

Die Welt ist nimmer, wie sie einmal war. Jetzt, wo alles enger wird, wo keiner über die nächsten zwei Monate hinaus zu denken wagt, wo Einsparungsideen, Rationalisierungswille und Flexibilität erste Bürgerpflicht sind, wer traut sich da was gegen die erste Ölung eines SUV sagen?

Gut, Porsche hat eine Geschichte, in der es stets mehr ums Feuer als um den Rauch ging. Selbst im eigenen Haus waren die Vorbehalte so stark, um den Diesel in den ersten fünf Cayenne-Jahren zu verhindern. Und wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass am Blech unseres Testwagens selbst der kleinste Hinweis auf das Verbrennungsverfahren fehlt.

Aber jetzt ist der Cayenne Diesel da, und zwar genau zur rechten Zeit. Diesel wird helfen, das Absacken der Verkaufszahlen zu bremsen, und ganz nebenbei auch den Flottenverbrauch der Marke behübschen. Denn so viel vorweg: Nur bei totalem Stadteinsatz oder Robin-Hood-mäßiger Verhöhnung der Exekutive lässt sich der Verbrauch über zehn Liter treiben. Die von uns unter hohem persönlichem Einsatz rausgefahrenen neun Liter sollten auch sensibleren Naturen ein reines Gewissen bescheren.

Und der Rest ist ohnehin geradezu erschreckende Normalität: Immerhin konnte Porsche über die neuen wirtschaftlichen Verwandtschaftsverhältnisse auf einen der besten Diesel der Klasse zugreifen, den 3,0-l-V6-TDI von Audi. Gegen dessen Laufkultur und Leistungsentfaltung gibt es wirklich nichts zu sagen, man wird sich auch üppiger aufgehoben fühlen als im V6-Benziner. Im Cayenne wird dem Audi-Diesel sogar so was wie Sound erlaubt, ein dumpfes Räuspern, eine gefühlte Terz tiefer und aggressiver als im Audi Q7.

Dass die optionale Luftfederung selbst in der Komfort-Stufe ein gutes Stück härter – und für zart besaitete Gemüter vielleicht sogar zu hart – ist, geht als Charaktersache durch. Der in der Wolle gefärbte Porsche-Pilot wird vielleicht anmerken, dass sich die Dinge ab 180 nicht in der gewohnten Art exekutieren lassen, aber … na, ja. Unterm Strich erleben wir das sportlichste Diesel-SUV seiner Klasse, alles andere wäre auch eine Enttäuschung.

In Verbindung mit der serienmäßigen Automatik ergibt sich dann trotzdem Wohlbehagen auf hohem Niveau – auch, weil sich der Cayenne niemals so riesig fährt, wie er auf seine Umwelt wirkt. Die handfeste und edle Haptik der Innenraumverarbeitung nimmt man ebenfalls wohlwollend zur Kenntnis – das war ja beim Cayenne nicht immer so.

Und letztlich dürfte auch die Exklusivität gewahrt bleiben: Denn die 8.000 bzw. 10.000 Euro Aufpreis gegenüber den weitgehend baugleichen Konzernbrüdern werden nicht wirklich durch eine bessere Ausstattung ausgeglichen.

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