Fahrbericht Porsche Cayenne GTS

Genug gegatscht
Der bisher sportlichste Cayenne will nicht mehr ins Gelände. Hier kommt sozusagen ein Familienporsche.

Autorevue 04/2008   Autor: Christian Seidel   Fotografie: Andreas Riedmann

Shortcut

Was wir mögen

Alles. Oder nichts. Kommt drauf an, ob ein SUV-Fan am Steuer sitzt. Im Zweifel für den Porsche.

Was uns überrascht

Dass es jetzt tatsächlich ein Auto gibt, das eine gelungene Kreuzung aus Offroader ohne Gelände­ambitionen mit Sportwagen ohne Racing-Charakter darstellt.

Was uns fehlt

Der Panamera.

Die Konkurrenz

Der Panamera. Bis dahin: Audi RS6 & Q7, BMW 5er Touring & X5.

Daten

Cayenne GTS: € 98.990,– 5 Türen, 5 Plätze, Kofferraum 540–1770 l 480 cm, ab 2225 kg, 8-Zyl.-Motor Permanenter Allradantrieb. 8 Airbags, ESP, BAS, Klima, Leder, FB. 4806 ccm, 298 kW (405 PS), 500 Nm 253 km/h, 0–100 in 6,1 sec, CO2 361 g/km MVEG-Verbrauch 22,6/10,9/15,1 (S)

Da ist dieser klobige Tempomat, der einem so gar nicht gefallen will. Besonders, wenn man gerade aus einem Mercedes mit diesem filigranen Tempo-Halte-Hebelchen steigt. Und erst diese unpraktischen Daumen-rutschen-ab-Schaltwippen am Lenkrad. Und doch: Es kann kein anderer Porsche sein.

Weil Kinder und Gepäck mitmüssen. Weil die anderen Cayenne zu offroad sind. Weil es den Panamera noch nicht gibt. Weil der GTS unter der psychologisch wichtigen 100.000-Euro-Grenze bleibt. Auch diese Schrecksekunde vor Kurven nimmt einem  der GTS. Er wird sich nicht überschlagen. Vorausgesetzt man ordert die Luftfederung (2.248 Euro) und die Porsche Dynamic Chassis Control (3.818 Euro). Der nächste Angstschweiß käme beim Einparken. Die Rundungen lassen nur erahnen, wo der Cayenne anfängt und wo er aufhört. Einparkhilfe. 962 Euro. Dazu noch das dringend notwendige Chichi wie etwa eine elektrisch ausfahrbare Anhängekupplung (1.336 Euro), ein Navigationssystem (3.430 Euro) sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer (1.796 Euro) – und schon stehen 120.000 Euro unterm Strich. Schnell hat die Ausstattung den Gegenwert einer A-Klasse erreicht.

Betuchten Fahrern ist das nach den ersten Metern egal. Der GTS hat 405 PS, also 20 PS mehr als der Cayenne S. Dazu noch eine verkürzte Achsübersetzung. 4,1:1 statt 3,55:1. Und serienmäßig gibt es das Porsche Active Suspension Management (PASM). Der Fahrer kann die Dämpfer sportlich, normal oder komfortabel einstellen. Wir raten zu Letzterem. Der Motor faucht beim Anlassen, ein kurzes Puff hallt durch die Ohren, wenn der Kopf gegen die Stütze gestoßen wird. Wie schön.

Schön auch, dass Porsche den Cayenne konsequent weiterentwickelt hat. Weil zwischen Zuhause und beispielsweise dem Kindergarten ein eklatanter Mangel an Wasserdurchfahrten und Trial-Sektionen herrscht, ist ein Cayenne-Fahrer selten bis nie im Gatsch zu sehen. Der GTS distanziert sich daher auch von jedweder Offroad-Ambition: sportliches, um 24 Millimeter tiefergelegtes Fahrwerk, 2,3 Tonnen Leergewicht und 21-Zoll-Felgen. Reduktion (2,7:1) und Differenzialsperren gibt es nur noch für Hängerfahrten und Skiausflüge.